Ericsson unter Verdacht
Korruptionsanfällige Telekom-Branche

Siemens ist nicht der einzige Telekommunikationsausrüster, der sich derzeit massiven Korruptionsvorwürfen gegenübersieht: In Schweden läuft seit dem 27. März ein Prozess gegen sieben Manager des Konzerns Ericsson wegen des Verdachts auf schwarze Kassen. Offenbar hat Ericsson versucht, weißes Geld schwarz zu machen.

hst STOCKHOLM. Sowohl noch im Unternehmen tätige als auch ehemalige Topmanager des Weltmarktführers bei Mobilfunknetzen sollen insgesamt 3,4 Mrd. Kronen (umgerechnet 374 Mill. Euro) auf heimliche Konten in die Schweiz überführt haben.

Das Geld, lautet der Verdacht der Staatsanwälte, sei von Vermittlern im Auftrag von Ericsson an Geschäftspartner ausgezahlt worden, die für die Vergabe von Großaufträgen zuständig waren. Der Fall war 2000 herausgekommen, nachdem sich ein von Ericsson für Vermittlungsdienste angeheuerter italienischer Geschäftsmann mit dem schwedischen Konzern überwarf und Einzelheiten über die Geldtransaktionen ausplauderte. Ericsson hat die Vorwürfe, es habe im Konzern ein ausgeklügeltes System mit schwarzen Konten gegeben, zurückgewiesen. Einzelne Mitarbeiter hätten Fehler gemacht. Unbestritten ist nach dem 7 000 Seiten dicken Untersuchungsbericht der Staatsanwaltschaft, dass Schwedens größtes Unternehmen Nummernkonten unter anderem bei der Schweizer Bank UBS besessen hat.

Anders als bei Einnahmen aus dem Drogenhandel, wo Schwarzgeld weiß gewaschen werden muss, versuchte Ericsson offenbar, weißes Geld schwarz zu machen, damit es später in den Bilanzen nicht mehr auftauchte und als Bestechungsgeld ausgezahlt werden konnte. Dazu wurden 33 Scheinfirmen gegründet, die Rechnungen an den Mutterkonzern für Beratungsdienste ausstellten. Ericsson bezahlte in der Regel Summen von etwa einer Mill. Dollar.

Die Scheinfirma überwies den Betrag auf die heimlichen Konten in der Schweiz. Was mit dem Geld dann geschah, ist bisher unklar. Ericsson hat lediglich eingeräumt, mit einem Teil der Gelder „Beratungsdienstleistungen“ bezahlt zu haben. Ein Stockholmer Telekom-Analyst, der nicht genannt werden wollte, sagte am gestrigen Donnerstag dem Handelsblatt, dass es „ohne die schwarzen Gelder“ in der Branche keine Aufträge gebe. Ein Urteil gegen die Ericsson-Manager wird im Dezember erwartet.

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