Erlös soll in Hauptaktivitäten der Gruppe fließen
Pirelli kommt Verkauf der Kabelsparte näher

Beim Verkauf der Kabelsparte des italienischen Mischkonzerns Pirelli zeichnet sich ein Kopf- an Kopf-Rennen der Finanzinvestoren ab. Nach Informationen der italienischen Wirtschaftszeitung „Finanza & Mercati“ haben die Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group und die Investmentbank Goldman Sachs am Freitag ein verbindliches Angebot vorgelegt.

kk MAILAND. Im Kabelgeschäft sind die Italiener Weltmarktführer. Mit dem Verkauf der Sparte schreitet der Umbau des mehr als hundert Jahre alten Traditionskonzerns Pirelli weiter voran. Ende des vergangenen Jahres hat das Management des Unternehmens angekündigt, nicht nur das Stromkabelgeschäft, sondern auch die Sparte Telekommunikationskabel veräußern zu wollen. Mit dem Verkauf der Kabelsparte trennt sich Pirelli von rund der Hälfte seines Umsatzes, der im vergangenen Jahr bei 7,1 Mrd. Euro lag.

In Zukunft will sich das Unternehmen auf die Reifenherstellung konzentrieren, wo die Italiener europaweit auf dem dritten Platz stehen. Außerdem ist der Konzern de facto die Muttergesellschaft der Telecom Italia. Denn Pirelli hält 57,6 Prozent an der Zwischenholding Olimpia, die über eine Minderheitsbeteiligung von 21,4 Prozent die Telecom Italia kontrolliert. Weitere Olimpia-Aktionäre sind die Benetton-Familie und die Banken Unicredito und Banca Intesa. Pirelli-Präsident Marco Tronchetti Provera ist auch Chef der Telecom Italia.

Der Wert des Kabelgeschäfts von Pirelli wird auf insgesamt 1,35 bis 1,5 Mrd. Euro geschätzt. Nach Informationen von „Finanza & Mercati“ könnte der Konzern noch in der zweiten Mai-Woche seine Position zu den Angeboten der Finanzinvestoren bekannt geben. Dabei wird nicht nur der Preis entscheiden, sondern auch die Bedingungen, die an den Kauf geknüpft werden – etwa, ob Pirelli selbst noch eine Beteiligung halten wird.

Sollte Pirelli mit den Angeboten der Investoren nicht einverstanden sein, bleibt dem Unternehmen weiterhin die Möglichkeit, das Kabelgeschäft an die Börse zu bringen. Dann könnte Pirelli nicht nur weiterhin eine Beteiligung, sondern auch die Geschäftsführung behalten.

In ganz Europa erfreut sich das Verfahren, bei dem die Unternehmen zweigleisig sowohl den Verkauf als auch den Börsengang vorantreiben, derzeit großer Beliebtheit. In Deutschland war erst im November der Börsengang der Autobahn-Gaststätten-Kette Tank & Rast abgesagt worden, nachdem der britische Finanzinvestor Terra Firma mehr Geld geboten hatte, als der Börsengang einbringen sollte. Der Energieversorger Eon behält sich für seine Immobilien-Tochter Viterra sowohl die Börsenplatzierung als auch den Verkauf an einen Finanzinvestor vor, und auch der italienische Telekom-Ausrüster Italtel hält sich beide Möglichkeiten offen.

Pirelli-Präsident Tronchetti Provera wird den Erlös aus dem Verkauf des Kabelgeschäfts voraussichtlich dazu nutzen, die Position seines Konzerns bei der Telecom Italia zu stärken. „Der Erlös des Kabelverkaufs wird für Investitionen in die Hauptaktivitäten der Gruppe investiert werden“, sagte er bei der Hauptversammlung des Mischkonzerns in Mailand. „Wir sind bereit, mehr Aktien von Telecom Italia zu kaufen, wenn sie zum Kauf stehen.“

Die Banken Unicredito und Banca Intesa haben über eine Put-Option, die im Sommer 2006 ausläuft. Danach könnten sie ihre Olimpia-Aktien für insgesamt 1,2 Mrd. Euro an Pirelli verkaufen. Pirelli kann das Geld aber auch gut gebrauchen, um neue vollautomatische Reifenfabriken weltweit zu kaufen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%