Erst sollen „Forbes“ und „Newsweek“ den Weg bereiten, dann kommen „Bild“-Ableger
Springer-Titel kommen in Russland nur schleppend voran

Mit der in der vergangenen Woche erstmals erschienen russischen „Forbes“-Ausgabe startet der Axel Springer Verlag seine Russland-Offensive. Doch bei der Eroberung des von Konzernchef Mathias Döpfner vor Springer- Führungskräften als „wichtiges Standbein des Verlages“ bezeichneten Marktes liegt einiges im Argen.

mbr MOSKAU/HAMBURG. „Es verwundert, warum Springer erst so spät auf einen so lukrativen Markt wie Russland kommt und dann mit solchen Objekten“, meint ein westlicher Verlagsmanager in Moskau. Konkurrent Burda ist mittlerweile größter Verleger in Russland – und das ausgerechnet mit Frauen-, Auto- und Unterhaltungs- Titeln, Springers Domäne in Deutschland. Mitte 2003 zählte Burda den Marktforschern von TNS Gallup Media zufolge 11,2 Mill. Leser gefolgt von der Profmedia- Gruppe des russischen Oligarchen Wladimir Potanin mit 9,2 Mill. Lesern. Am Werbemarkt führt die niederländische Independent Media Gruppe, an der Potanin gut ein Drittel hält, mit 9,3 % Marktanteil vor Burda mit 6,7 % der Anzeigenerlöse in den ersten neun Monaten 2003. Insgesamt haben westliche Verlage ein Viertel des rund 800 Mill. $ großen Werbekuchens im Printmarkt für sich herausgeschnitten. Für 2004 erwartet die Russische Assoziation für Reklameträger im Printsektor 22 % Wachstum.

Davon will auch Springer profitieren. Doch gegen den Vertrieb der ersten 40 000 „Forbes“-Exemplare mit dem Untertitel „Instrument des Kapitalisten“ will Wiktor Tschernyschow mit seiner Firma Mospatent klagen, die sich in Russland den Titel „Forbes“ namensrechtlich schützen ließ. Axel Springer Russia, Moskauer Tochter des größten europäischen Zeitungshauses, ließ dennoch ausliefern und beruft sich darauf, die Namensrechte vom amerikanischen Familienunternehmen Forbes Inc. bekommen zu haben.

Der Rechtsstreit ist nicht das einzige Problem bei Springers Start in Russland: „Forbes“ hätte laut einem Springer-Insider bereits im Januar erscheinen sollen und die laut Döpfner „mit hoher Wahrscheinlichkeit noch in diesem Jahr“ herauskommende weitere Zeitschrift im März. „Das war kein Plan, sondern nur eine Idee“, schwächt Irina Silajewa, Generaldirektorin von Axel Springer Russia, ab. Allerdings kam „Forbes“ überhaupt erst vom Hof, nachdem der US-Journalist und „Forbes“-Russlandexperte Paul Klebnikov als Chefredakteur nach Moskau geschickt wurde. Auch ein enger Mitarbeiter Döpfners kümmert sich jetzt um die ansonsten rein russische Mannschaft des Moskauer Ablegers.

Denn bei der russischen Ausgabe von „Newsweek“, um die es sich bei Döpfners Andeutung laut Verlagskreisen handelt, sieht es noch dramatischer aus: Offiziell soll der Erfolg in Polen wiederholt werden, wo sich Springers „Newsweek“ 300 000 Mal verkauft. Doch die russischen Test- Nummern seien so verheerend gewesen, dass sowohl die Verlagsverantwortlichen als auch der US-Namensgeber ihr Veto eingelegt hätten. Nun steht offenbar sogar der auf Oktober verschobene Starttermin in Frage und die russische Redaktion bastelt derzeit am elften Dummie. Und erst nach dem „Newsweek“-Start in Russland soll über die Etablierung „klassischer“ Springer-Titel der „Bild“- Gruppe entschieden werden.

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