Erste Arbeitsniederlegungen
Telekom befindet sich im Streik

Die Mitarbeiter der Deutschen Telekom machen ernst mit ihrer Streikdrohung. Seit Freitagmorgen ruht vielerorts die Arbeit. Kunden müssen mit Einschränkungen beim Service und bei der Beseitigung von Störungen rechnen. Das Unternehmen selbst dürfte den Arbeitskampf dagegen gut wegstecken – allem Säbelrasseln der Gewerkschafter zum Trotz.

HB/hps/lou HAMBURG/BONN. Im bayrischen Weiden in der Oberpfalz traten um punkt 6 Uhr 120 Beschäftigte der Frühschicht in den Ausstand, wie ein Sprecher der Dienstleistungs-Gewerkschaft Verdi mitteilte. In Düsseldorf begann der Arbeitskampf eine halbe Stunde später. Insgesamt hatte Verdi 10 000 Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen sowie in Niedersachsen und Bremen zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

Auch im Osten Deutschlands wird gestreikt, allerdings in geringerem Umfang. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren laut Verdi rund 500 Telekombeschäftigte aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Betroffen sein sollen Dresden, Chemnitz, Halle, Magdeburg, Suhl und Gera.

Der Protest richtet sich gegen die geplante Auslagerung von 50 000 Mitarbeitern in Service-Gesellschaften. Sie sollen dort für weniger Geld mehr arbeiten. Die Telekom-Führung sieht allerdings keine Alternative zu dieser Maßnahme. Denn sie verliert im Inland weiter an Boden. Alle drei Geschäftsfelder Festnetz, Mobilfunk und Geschäftskunden haben in den ersten drei Monaten beim Gewinn vor Zinsen und Steuern und Abschreibungen (Ebitda) deutliche Einbußen hinnehmen müssen. „In diesem Land herrscht ein gnadenloser Preiskampf“, führt Konzernchef René Obermann am Donnerstag zur Erklärung an.

Verdi lässt sich von den schlechten Zahlen aber nicht erweichen. Die Gewerkschaft ist überzeugt, mit dem Streik Obermann in die Knie zu zwingen. „Es wird zu Engpässen bei der Versorgung kommen“, kündigte Verdi-Verhandlungsführer und Telekom-Aufsichtsratsvize Lothar Schröder an. Die Telefonversorgungen von Sicherheitsbereichen wie Polizei oder Notfallversorgung seien vom Streik ausgenommen. Bei Verdi sind über 70 Prozent der Beschäftigten der Festnetzsparte T-Com organisiert.

Streik dürfte Telekom kaum schmerzen

Nach Einschätzung von Beobachtern kann die Telekom Arbeitsniederlegungen aber verkraften. „Ein Streik wird der Telekom nicht in großem Stil schaden“, sagt Ulrich Prommer von der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Er verweist darauf, dass die Hälfte der betroffenen Mitarbeiter Beamte sind und nicht streiken dürfen. Andere Arbeiten kann die Telekom auslagern oder – wie bisher auch – durch Leiharbeiter erledigen lassen.

Finanz- und Personalchef Karl-Gerhard Eick räumte ein, dass es durch den Streik zu Verzögerungen bei der Bearbeitung von Kundenanfragen kommen werde. Die finanziellen Folgen der Arbeitsniederlegungen schätzt er aber als gering ein: „Wir haben keinen Anlass, Abstriche bei den Erwartungen für das Ebitda und den Cash-Flow zu machen.“

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