Erster Betriebsrat
SAP-ler wählen das „alte System“

Als letztes börsennotiertes Großunternehmen in Deutschland hat nun auch der Softwareriese SAP einen Betriebsrat. Die gewerkschaftsnahe Liste konnte dabei kaum punkten, die unabhängigen Kandidaten setzen sich größtenteils durch.

HB WALLDORF. Bei der ersten Wahl einer Arbeitnehmervertretung in der Unternehmensgeschichte gaben am Mittwoch knapp 65 Prozent der Mitarbeiter ihre Stimme ab, wie ein Sprecher am Donnerstag in Walldorf bei Heidelberg berichtete. Das Gremium mit 37 Mitgliedern, von denen zwölf dauerhaft freigestellt werden, werde voraussichtlich am 3. Juli einen Betriebsratsvorsitzenden wählen.

Eine gewerkschaftsnahe Liste konnte sich drei Sitze sichern, der Rest sind Unabhängige. Aufgerufen zur Wahl waren rund 11 000 Mitarbeiter an den deutschen Standorten des Unternehmens. Bisher hatten acht Beschäftigte im 16-köpfigen Aufsichtsrat die Belange der SAP-Mitarbeiter vertreten. Ab fünf Beschäftigten ist laut dem Betriebsverfassungsgesetz eine Arbeitnehmervertretung vorgesehen.

Seit der Unternehmensgründung 1972 hatten Vorstand und Beschäftigte eine Arbeitnehmervertretung aber immer wieder abgelehnt. Noch am 2. März hatten 91 Prozent der Mitarbeiter in Walldorf und St. Leon Rot einem Betriebsrat eine Absage erteilt. Anschließend erklärten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat aber, die Wahl eines Betriebsrates selbst zu organisieren. Hintergrund waren drohende Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht, mit denen die Initiatoren der Wahl möglicherweise einen Betriebsrat hätten durchsetzen können.

Gewerkschaftsnahe Liste bekommt nur drei Sitze

Die SAP-Mitarbeiter haben alle fünf Arbeitnehmervertreter aus dem Aufsichtsrat, die sich haben aufstellen lassen, in den ersten Betriebsrat des Dax-Unternehmens gewählt. Die gewerkschaftsnahe Liste „Pro Betriebsrat“, in der vor allem in verdi und der IG Metall organisierte Mitarbeiter vertreten waren, stellt drei der insgesamt 37 Mitglieder des Betriebsrates. Auf diese Liste, in der auch die Initiatoren der Betriebsratswahl vertreten waren, entfielen dem vorläufigen Wahlergebnis zufolge 8,86 Prozent der Stimmen.

Die umfangreichste Liste „Wir für Dich“, in der neben vier Arbeitnehmervertretern aus dem Aufsichtsrat noch 193 weitere Kandidaten vertreten waren, erfuhr erwartungsgemäß den höchsten Zuspruch: 39,12 Prozent der gültigen Stimmen fielen auf die Liste, die nun 16 Kandidaten in den Betriebsrat entsendet. Von den 10 925 Wahlberechtigten haben dem Schreiben des Wahlvorstandes zufolge 64,8 Prozent eine gültige Stimme abgegeben.

Tauziehen um Betriebsratswahl

Am Mittwoch zwischen 8 und 18 Uhr hatte die erste Betriebsratswahl in der Unternehmensgeschichte von SAP stattgefunden. Dabei wurde für ein für alle Standorte in Deutschland zuständiger Betriebsrat gewählt. SAP beschäftigt inzwischen weltweit rund 36 000 Mitarbeiter, davon etwa 14 000 in Deutschland.

Nachdem die Mitarbeiter von SAP sich in einer Abstimmung noch Anfang März zu 91 Prozent gegen die Gründung eines Betriebsrates ausgesprochen hatten, waren drei von der IG Metall unterstützte Mitarbeiter vor das Arbeitsgericht gezogen, um die Betriebsratswahl juristisch durchzusetzen. Sie kandidierten nun auf der gewerkschaftsnahen Liste „Pro Betriebsrat“. Der Gerichtsentscheidung griff SAP seinerzeit vor und leitete selbst die jetzt erfolgte Betriebsratswahl ein.

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