Erster Transparenzbericht
Deutschland wollte am zweitmeisten Daten von Yahoo

Nach einer Reihe von anderen Technologiefirmen veröffentlichte auch Yahoo Zahlen zu den Daten-Anfragen von Regierungen. Mit großem Abstand die meisten kamen aus den USA. Auf dem zweiten Platz: Deutschland.
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New York/San FranciscoBeim US-Internetkonzern Yahoo sind in diesem Jahr bislang rund 29‘000 Daten-Anfragen von Regierungen eingegangen. In bloß zwei Prozent der Fälle lehnte die Firma ab, Daten weiterzugeben. Rund 40‘000 Konten seien betroffen gewesen, heißt es im sogenannten Transparenzbericht der Firma. Mit 12‘444 Anfragen kamen dem Bericht zufolge mit klarem Abstand die meisten Anfragen aus den USA, mit rund 4‘200 Anfragen liegt die deutsche Regierung auf Platz zwei. Von deutschen Anfragen waren rund 5‘300 Konten betroffen.

Zu den in den USA angeforderten Daten führt der Bericht aus, dass in 37 Prozent der Fälle Inhalte offengelegt worden seien. In Deutschland handelte es sich dabei um rund 200 Fälle. Inhalte können dem Bericht zufolge E-Mails oder Fotos sein. In 55 Prozent seien „nicht inhaltsbezogene“ Daten wie Namen oder Orte mitgeteilt worden. In Deutschland gab es rund 3‘000 solcher Fälle. In zwei Prozent der Fälle seien Anfragen abgelehnt worden und in weiteren sechs Prozent habe Yahoo keine Daten vorgefunden.

Für den Internetkonzern Yahoo war es der erste Transparenz-Bericht. Solche Berichte würden von nun an halbjährlich veröffentlicht, heißt es in einem begleitenden Blogpost. Yahoo betonte darin auch, dass „weniger als ein hundertstel Prozent“ der Nutzer weltweit betroffen seien.

Yahoo versicherte zugleich, dass es unzulässige und gesetzeswidrige Anfragen zurückweise. „Bei Yahoo nehmen wir den Datenschutz unserer Nutzer ernst“. Yahoo wird pro Monat eigenen Angaben nach 630 Millionen mal besucht.

Kürzlich war bekannt geworden, dass der US-Geheimdienst NSA sich über die Server der großen US-Technologiefirmen Zugang zur weltweiten Internet-Kommunikation verschafft und dabei massenhaft Daten abgreift. Auch Deutschland befand sich demnach im Visier der Datensammler.

Schon mehrmals sind deswegen Demonstranten auf die Straße gegangen, um ihrer Entrüstung Luft zu machen. Für Samstag ist in Berlin eine weitere Demonstration angekündigt, für die die Organisatoren 30'000 Teilnehmer erwarten.

Doch auch im Heimmarkt USA stehen die Internet-Firmen unter großem Druck, mehr Informationen über das Ausmaß der Spähaktivitäten und die Zusammenarbeit mit Behörden öffentlich zu machen. Ähnliche Berichte wie der von Yahoo wurden bereits von Konzernen wie Google, Facebook, Microsoft (.pdf) und Twitter publik gemacht.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Michaël Jarjour
Michaël Jarjour
Handelsblatt / Freier Journalist

Kommentare zu " Erster Transparenzbericht: Deutschland wollte am zweitmeisten Daten von Yahoo"

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  • Auch sehr interssant ist, dass die "Dienste" massiv versuchen die Berichterstattung zu unterbinden. In Deutschland scheint es ganz gut zu funktionieren.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Geheimdienste-wollten-Veroeffentlichung-ueber-NSA-Verschluesselungsattacke-verhindern-1951133.html

    Merkel, Pofalla und Konsorten spielen dabei wohl ein sehr aktive Rolle. Na ja, Pofalla geniesst ja wieder die volle Unterstützung von Merkel. Also wird wohl wenigstens sein Kopf für diese dreiste Lügenserie rollen.

  • Ist doch interessant, hat doch Pofalla von 2 Datensätzen berichtet, die dann von den deutschen Behörden über 4.000 mal abgefragt wurden.

    Wann hören Politiker damit auf, den Bürgern weiterhin "Knöpfe" ans Ohr zu nähen?

    Entweder sind sie zu blöd die Vorkommnisse selbst zu begreifen oder sie "vera..." uns. Aus beiden Anlässen gehören sie weg vom Fenster der Macht.

    Hier muss brutalst aufgeklärt, durchgegriffen und ein abschreckendes Exempel statuiert werden. Es geht hier um verletzte Grundrechte.

  • Kein Wunder, dass Deutschland am zweitmeisten Daten abfragt - hier gibt es ja auch die "meiste Kreditkarte". Nur mit das Deutsch gibt er Probleme.

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