Erstes Angebot abgelehnt
KKR nimmt Vivendi ins Visier

Der US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Company (KKR) hat für den französischen Mischkonzern Vivendi eine Übernahmeofferte im Wert von 50 Mrd. Dollar (rund 40 Mrd. Euro) abgegeben. Vivendi hat das Angebot indes abgelehnt. Entsprechende Presseberichte hat der französische Telekom- und Medienkonzern am Samstag bestätigt.

PARIS. Demnach habe KKR „sein Interesse ausgedrückt", erklärte Vivendi. Der Konzern habe daraufhin das Anliegen untersucht und abgelehnt, hieß es weiter. Nach Informationen der Handelsblatt-Partnerzeitung „La Tribune" hat Vivendi die Offerte abgelehnt, da das Management den Preis als unzureichend betrachte. Die Börsenkapitalisierung des Mischkonzerns beläuft sich derzeit auf 35 Mrd. Euro. Die KKR-Offerte von 40 Mrd. Euro würde lediglich dem Wert von Vivendis Einzel-Aktivitäten widerspiegeln - ohne die übliche Übernahmeprämie.

Zu Vivendi gehören der Bezahlsender Canal Plus, das Musiklabel Universal Music, der Spiele-Anbieter VU Games und Frankreichs zweitgrößter Mobilfunker SFR. Wegen dieses Charakters eines Mischkonzerns, in dem die unterschiedlichen Aktivitäten unter dem Dach einer Holding gebündelt sind, versieht die Börse die Vivendi-Aktie sogar mit einem (Konglomerats-)Abschlag auf den wahren Wert.

Gerüchte über eine Zerschlagung in einen Medien- und einen Telekom-Teil gibt es daher bei Vivendi ständig. Vor kurzem hatte ein Aktionär des Konzerns, der Fondsinvestor Alexander Vik, dem Vivendi-Management eine solche Operation vorgeschlagen, um den wahren Wert von Vivendi für die Aktionäre zu heben.

Doch Konzern-Chef Jean-Bernard Lévy will davon nichts wissen; er verweist darauf, dass sich die einzelnen Vivendi-Gesellschaften gegenseitig ergänzen und helfen würden. So verkauft Universal Music zunehmend seine Hits über ein Mobilfunk-Portal von SFR.

Doch selbst an der Konzernspitze gibt es Skeptiker. So sorgte vor einigen Wochen Aufsichtsratschef Claude Bébéar, Gründer des Versicherungsriesen Axa, für Aufsehen mit der Äußerung, dass er prinzipiell nichts gegen die Zerschlagung Vivendis habe, „wenn dadurch Wert für die Aktionäre geschaffen wird“.

Allerdings verfügt der Konzern über eine effiziente „Giftpille“, um mögliche Angreifer abzuschrecken. Denn Vivendi hat vom Finanzministerium die Genehmigung bekommen, besondere Steuerregeln anzuwenden.

Dank dieser Regeln darf die Holding ihre milliardenschweren Verlustverträge aus der Vergangenheit mit den Gewinnen der Mobilfunk-Tochter SFR verrechnen, obwohl Vivendi nicht alleiniger Besitzer von SFR ist (44 Prozent gehören der britischen Vodafone). Dank dieser Steuerregeln spart Vivendi jedes Jahr Millionen an Körperschaftssteuer.

Der Konzern verweist stets darauf, dass die Anwendung dieser Steuer-Vorschriften an die Bedingung geknüpft sei, dass Vivendi sowohl im Medien- als auch im Telekom-Geschäft aktiv bleibe. Presseberichten zufolgen haben eben diese spezifischen Steuerregelungen dafür gesorgt, dass sich KKR sich wieder zurückziehen will.

Bleibt die Frage, warum ausgerechnet jetzt KKRs Interesse an Vivendi durchgesickert ist. Beobachter spekulieren darauf, dass möglicherweise auf diese Weise der US-Fonds nach Mitstreitern suche, um gemeinsam ein verbessertes Gebot vorzubereiten.

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