Erstes Quartal 2008
SAP schockt Anleger

Der größte europäische Softwarekonzern SAP hat im Auftaktquartal dieses Jahres die Erwartungen des Finanzmarkts klar verfehlt. Die seiner neuen Mittelstandssoftware "Business by Design" kann der Konzern nicht so gut punkten wie erhofft. Händler reagieren mit gemischten Gefühlen auf die Zahlen.

HB STUTTGART. SAP teilte am Mittwoch in Walldorf bei Heidelberg mit, die Softwarelizenz- und Wartungserlöse seien in den Monaten Januar bis März um 15 Prozent auf 1,736 Mrd. Euro geklettert. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem kräftigeren Anstieg um gut 20 Prozent auf 1,83 Mrd. Euro gerechnet.

SAP hatte zu Jahresbeginn den französisch-amerikanischen Konkurrenten Business Objects übernommen und muss den milliardenschweren Zukauf in seiner Bilanz verdauen. Beim Überschuss hatten die Finanzexperten daher bereits einen Rückgang auf 290 Mill. Euro erwartet, SAP verfehlte aber auch diese Marke und wies für das erste Quartal nur 242 Mill. Euro. Vor einem Jahr waren es 310 Mill. Euro gewesen.

SAP kürzt Investitionen für neue Software

Bei mittelständischen Kunden konnte SAP mit seiner neuen Software "Business by Design" nicht so gut landen wie erwartet. Daher würden die für dieses Jahr geplanten Investitionen in Vermarktung und Vertrieb um 100 Mill. Euro gekürzt, hieß es. Dadurch werde die Rendite in diesem Jahr höher ausfallen.

SAP geht nun davon aus, dass ohne Berücksichtigung von Wechselkurseffekten und Abschreibungen auf Wartungserlöse des zugekauften Software-Anbieters Business Objects die operative Rendite 2008 zwischen 28,5 und 29 Prozent liegen wird. Bisher war SAP von einer Marge von 27,5 bis 28 Prozent ausgegangen, 2007 lag die Renditekennziffer auf vergleichbarer Basis bei 27,3 Prozent.

Mit "BusinessbyDesign" backt SAP nun kleinere Brötchen. In diesem Jahr könnten voraussichtlich deutlich weniger als die geplanten 1000 Kunden für die Software begeistert werden, teilte der Konzern mit. Die Vermarktung werde in diesem Jahr auf sechs Länder begrenzt, weitere Länder folgten erst 2009. Auch die für 2010 angepeilten Geschäftsziele für die Mittelstands-Software hat SAP gekippt. Es werde zwölf bis 18 Monate länger dauern, um 10 000 Kunden für die Software zu gewinnen und eine Milliarde Dollar Umsatz damit zu erzielen.

Das erhöhte Margenziel von SAP wird im Handel freundlich aufgenommen. Es wird jedoch auch auf die schwachen aktuellen Zahlen verwiesen. Auch die befürchteten Verzögerungen bei "Business by Design" seien eingetreten. "Und sowas steht dann auf Seite Fünf der Pressemitteilung", sagt ein Händler. Enttäuschend seien der Nettogewinn und vor allem das operative Ergebnis ausgefallen. "Das liegt sogar unter dem unteren Rand der Prognosespannen, passt aber nicht mit einer erhöhten Margenprognose zusammen", so der Händler weiter. Hier seien weitere Analystenbewertungen nötig.

Kurz nach Handelsstart gaben die Titel von SAP deutlich nach. Sie verloren in den ersten Minuten bis zu 6 Prozent auf 30,90 Euro.

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