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06.11.2006 
Time-Warner-Chef Parsons warnt

„Es könnte eine zweite Blase sein“

von Das Gespräch führte Hans-Peter Siebenhaar

Richard Parsons, der Chef des weltgrößten Medienkonzerns Time Warner, spricht im Handelsblatt-Interview über die Bedrohung seines traditionellen Geschäfts durch das Internet, die Zukunft des Fernsehens und das Interesse an der deutschen Sendergruppe Pro Sieben Sat 1.

Time-Warner-Chef Richard Parsons. Foto: apLupe

Time-Warner-Chef Richard Parsons. Foto: ap

Herr Parsons, derzeit redet sich die Medienbranche über das Internet die Köpfe heiß. Wie oft ist der Chef des weltgrößten Medienkonzerns online?

Ich bin den ganzen Tag online. Wenn ich am Morgen ins Büro komme, nutze ich unseren Musikservice von AOL und höre tagsüber Jazz. Und natürlich ist mein Blackberry an, um ständig über E-Mails in Kontakt mit meinen Kollegen zu sein. Ich bin wirklich ein „heavy user“.

Die Interneteuphorie kennt derzeit bei Medienkonzernen keine Grenzen. Steuern wir auf eine neue Internetblase zu?

Wir könnten uns durchaus in einer zweiten Internetblase befinden. Es gibt einen großen Enthusiasmus. Dieser Enthusiasmus könnte in einen Flop münden. Es gibt derzeit Möglichkeiten, sehr viel Geld zu verdienen, aber auch zu verlieren.


Parsons zu Gast in der „bel étage“

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Wo genau lauern die Risiken?

Man kann eine Menge Geld mit Investments verlieren, die langfristig keine Substanz besitzen. Das Neue an den auf dem Internet basierenden Geschäften ist, dass jeder einsteigen kann. Youtube ist dafür ein Beispiel. Google zahlt 1,65 Milliarden Dollar für eine Firma, die vor eineinhalb Jahren noch niemand kannte. Youtube besitzt keine eigene Technologie. Das Kunststück bestand darin, ein Geschäft zu etablieren, das immer mehr Menschen anzieht. Doch wer sagt uns denn, dass nicht morgen jemand anders kommt, der eine neue Internetseite aus dem Boden stampft, wo jeder hinrennt? Das ist das Risiko.

Glauben Sie, dass die Übernahme von Youtube durch Google die Medien- und Internetlandschaft grundlegend verändert?

Ich glaube, dass es keinen wirklichen Wandel in der Medienlandschaft gibt. Ich sah in einer Zeitung eine Überschrift mit der Frage „Ist Youtube die Zukunft des Fernsehens?“. Ich glaube nicht, dass Youtube die Zukunft des Fernsehens sein wird.

Warum hat Time Warner nicht eine Video-Tauschbörse wie Youtube gekauft? Ist das eine Frage des Geldes oder der Strategie?

Erstens ist es eine Frage der Bewertung des Unternehmens. Wir gehen finanziell diszipliniert vor. Eine Firma wie Youtube, die nur einen schmalen Umsatz erwirtschaftet und kein Geld verdient, ist eine Herausforderung für einen Investor, der dafür 1,65 Milliarden Dollar gezahlt hat. Google betreibt ein anderes Geschäft als wir. Die haben als Internetsuchmaschine mit einem wachsenden Werbegeschäft bessere Möglichkeiten, mit den hohen Nutzerzahlen bei Youtube Geld zu machen. Für uns ergäbe das keinen Sinn. Wir würden einen solchen Preis einfach nicht zahlen. Das muss aber nicht heißen, dass Google einen solchen Preis nicht zahlen sollte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Über die Kooperation mit Google und die Frage, ob das Fernsehen bedroht ist.

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