Ist der Inhalt wirklich noch der König des Mediengeschäfts?
Wenn Content noch King ist, beginnt die Macht des Vertriebs direkt hinter dem Thron. Inhalte und Vertrieb gehören zusammen und müssen gemeinsam betrieben werden.
Weltweit bröckeln die Auflagen von Zeitschriften und Zeitungen. Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer eigenen Blätter?
Warum starben die großen Eisenbahngesellschaften? Sie glaubten, sie wären im Eisenbahngeschäft. Tatsächlich waren sie aber im Transportgeschäft. Wir versuchen, diese Fehler nicht zu machen. Wir sind daher nicht im Magazingeschäft, sondern im Verlagsgeschäft.
Was heißt das?
Marken werden am Ende des Tages gewinnen. Marken stehen für bestimmte Inhalte und Qualitäten.
Wie reagieren Sie auf die Bedrohung aus dem Internet?
Wir übertragen die Markenstärke unserer Magazine in die Onlinewelt. Beispielsweise ist das Onlineportal unserer Zeitschrift „People“ die Nummer eins der Internetseiten für Celebrities in den Vereinigten Staaten.
Das eine ist, bei den Internet-Hitlisten den ersten Platz einzunehmen, das andere, im Internet wirklich Geld zu verdienen . . .
Das Onlinegeschäft wächst schnell, allerdings auf einer kleinen Basis. Doch die Einnahmen aus der Internetwerbung verdreifachen sich jährlich. Internet wird künftig eine wichtige Erlösquelle mit wachsender Profitabilität für unsere Zeitschriftenmarken wie „People“, „Time“, „Sport Illustrated“, „Fortune“ und „Money“ sein.
Richard Parsons
Der Unternehmer: Richard Parsons steht seit vier Jahren an der Spitze des weltgrößten Medienkonzerns. Der 58-jährige Jurist wuchs in kleinen Verhältnissen im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf. Er begann seine Karriere als Berater für den republikanischen Gouverneur Nelson Rockefeller. Der frühere US-Präsident Gerald Ford machte den Jazzfan Parsons, der stets durch seine lässige Heiterkeit auffällt, zu seinem Berater. Ende der achtziger Jahre sanierte er die defizitäre Dime Savings Bank. 1995 trat er als Präsident in die Dienste von Time Warner. 2001 wurde der Mann mit der großen Brille Chef des Medienkonzerns. Parsons ist seit 1968 verheiratet und hat drei Kinder. In der Toskana betreibt er ein Weingut.
Das Unternehmen: Zum Time-Warner-Konzern gehören das Hollywood-Studio Warner Bros., Sender wie CNN, Magazine wie „Time“ und die Internetfirma AOL. Im vergangenen Quartal hatte der Konzern wegen des Verkaufs der AOL-Töchter in Deutschland, Frankreich und Großbritannien seinen Nettogewinn auf 2,3 Mrd. Dollar fast verdreifacht. Während die Ergebnisse im Fernseh- und Filmgeschäft leicht schwächer ausgefallen sind, läuft das Kabelgeschäft exzellent. Kürzlich hatte der Aktienkurs erstmals seit fast fünf Jahren wieder die Grenze von 20 Dollar übersprungen. Zuletzt wehrte Parsons die Attacken des Großaktionärs Carl Icahn ab. Der Investor verlangte eine Zerschlagung des Medienriesen.

