Essay
Gute Zeitung, schlechte Zeitung

Das Desaster der US-Printmedien erschüttert die Branche, viele der ehemals stolzen Verlagshäuser führen einen Überlebenskampf. Seit dem Durchbruch des Internets vor anderthalb Jahrzehnten haben die meist behäbigen Häuser keine Antworten gefunden. Europäische Verlage haben bessere Chancen, die Krise zu meistern.

Ein neues Zeitalter ist angebrochen. Der lebensgefährliche Tyrannosaurus Rex ist los. Mitten in der Eiszeit müssen sich die Helden des Animationsfilms "Ice Age" wie das Mammut Manfred, der Säbelzahntiger Diego und das Faultier Sid ganz neuen Herausforderungen stellen. Denn die gefräßigen Dinosaurier stellen ihre heile Welt auf den Kopf.

Den Überlebenskampf in dem Hollywood-Blockbuster "Ice Age" aus dem Hause 20th Century Fox, dem Filmstudio des Verlegers Rupert Murdoch ("Wall Street Journal", "Sun", "Times"), kann man auch als Parabel für die dramatischen Umbrüche in den amerikanischen Zeitungshäusern sehen. Denn viele der einst so stolzen US-Verlage führen einen Überlebenskampf. Internetgiganten wie Google, Yahoo oder Amazon setzen ihnen direkt und indirekt schwer zu. Während sich im Film das Faultier Sid genauso wie Mammut Manfred und Säbelzahntiger Diego aus brenzligen Situationen mit den brandgefährlichen Sauriern immer wieder raffiniert befreien können, haben manche US-Zeitungshäuser bereits den Offenbarungseid geleistet.

Die "Rocky Mountain News" aus Denver hat es erwischt. Selbst bekannte Blätter wie der "Boston Globe" kämpfen um ihr Leben. Erst im letzten Moment verzichtete der Mutterkonzern, die New York Times Company, auf eine Schließung.

Ice Age in Print

Seit dem Durchbruch des Internets vor bereits anderthalb Jahrzehnten haben die meist behäbigen Häuser keine Antworten auf die Herausforderungen gefunden. Das Internet saugt weiter ihre Leser ab. Doch das Netz in den Häusern kann sich selbst oftmals nicht refinanzieren. Anzeigenkunden wandern ab. Junge Menschen mögen sich immer weniger begeistern für Nachrichten, die einmal täglich auf Papier gedruckt werden. Und all diese Strukturprobleme werden beschleunigt durch die Wirtschaftskrise, deren Ende immer noch nicht absehbar ist. Ice Age in Print.

Die Ratlosigkeit in den Geschäftsetagen wird im Tagesrhythmus größer. In ihrer Not haben sich die notleidenden Blätter sogar an die Regierung gewandt. Doch Washington hat es abgelehnt, einen "Rettungsplan" für die Branche aufzulegen. Ein Sprecher des Weißen Hauses ließ verlauten, Präsident Barack Obama sei von der Notwendigkeit einer starken Presse überzeugt, könne aber nichts unternehmen. Ein solches politisches Waterloo schmerzt.

Wie konnte es so weit kommen? Warum haben sich gerade die amerikanischen Blätter an die Spitze des Niedergangs gesetzt. Es gibt mehrere Gründe. Einer der wichtigsten lautet: Die Leser sind verwöhnt.

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