EU-Kartellvorwürfe
Google droht Milliardenstrafe

Die Fronten im Konflikt zwischen der EU-Kommission und Google verhärten sich. Der Konzern weist den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung strikt zurück und riskiert eine Strafe von bis zu 7,4 Milliarden Dollar.

BrüsselGoogle hat die Kartellvorwürfe der EU-Kommission formell zurückgewiesen und damit den Weg für eine Entscheidung der Wettbewerbshüter im kommenden Jahr geebnet. Die Anschuldigen hätten sachlich, juristisch und wirtschaftlich keine Grundlage, erklärte Google-Justiziar Kent Walker am Donnerstag in einem Blog. Die Angebote des Suchmaschinenbetreibers richteten sich nach den Wünschen der Nutzer und zielten nicht darauf ab, Konkurrenten zu behindern.

Die EU-Kommission führt wegen der Marktmacht des US-Konzerns drei Verfahren. So werfen die Kartellwächter Google vor, eigene Angebote bei der Platzierung von Werbung in seiner Suchmaschine zu bevorzugen. Ein Sprecher der Brüsseler Behörde kündigte nun an, die Erwiderung Googles werde genau geprüft, bevor eine Entscheidung falle. Sollten sich die Vorwürfe nach Ansicht der Behörde bestätigen, wollen die Kartellwächter das Unternehmen hart bestrafen. Die Strafe richtet sich nach dem Umsatz und könnte bis zu 7,4 Milliarden Dollar betragen.

Verhärtete Fronten vor allem beim Streit um die Shopping-Suche des Internet-Konzerns: Den Vorwurf, Google benachteilige damit Wettbewerber, weist das Unternehmen strikt zurück. In einer Antwort auf die aktualisierten Beschwerdepunkte der Brüsseler Behörde bekräftigte Google, die Vorwürfe seien haltlos. Die Kommission wirft Google vor, in der Shopping-Suche eigene Dienste zu bevorzugen und damit Konkurrenten wie Preissuchmaschinen zu benachteiligen.

Google kritisiert unter anderem, die Kommission berücksichtige nicht die Rolle des weltgrößten Online-Händlers Amazon und missachte damit, wie die meisten Menschen tatsächlich online einkauften. So habe eine jüngste Studie ergeben, dass in Deutschland ein Drittel der Online-Shopper zunächst bei Amazon suche – unabhängig davon, wo sie am Ende kauften. Nur 14,3 Prozent schauten zunächst bei Google nach und lediglich 6,7 Prozent bei Preisvergleichs-Portalen.

In der Shopping-Suche von Google werden prominent die von Händlern beim Internet-Konzern platzierten ausführlichen Anzeigen mit Fotos, Preisen und Links präsentiert. Das betrachten EU-Kommission und einige Preissuchmaschinen als Bevorzugung eigener Dienste. Google kontert, diese „verbesserten“ Suchergebnisse erleichterten den Nutzern die Auswahl und den Kontakt zu Händlern. Kunden kämen auf verschiedensten Wegen zu Online-Händlern, argumentierte Google: „Über allgemeine Suchmaschinen, spezialisierte Suchdienst, Händler-Plattformen, soziale Medien und Online-Anzeigen.“ Außerdem erreichten die Händler die Kunden immer mehr auch direkt, zum Beispiel über Apps auf mobilen Geräten.

Das Verfahren ist eines von drei, in denen die EU-Kommission Google vorwirft, den Wettbewerb zu verzerren. In einem weiteren geht es um das führende Smartphone-System Android. Hier steht Mitte November die Antwort von Google auf die Vorwürfe der Wettbewerbshüter an. Im Sommer nahm die Kommission erstmals auch das Google-Kerngeschäft mit Suchmaschinen-Werbung ins Visier. Dabei geht es um den Teildienst „AdSense for Search“, bei dem andere Websites Google-Suchmasken einbinden können.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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