EU-Kommission vollzieht Kurswechsel
Gute Aussichten für Sony-Music und BMG

Die Musikkonzerne BMG und Sony Music sind ihrer geplanten Fusion offenbar einen großen Schritt näher gekommen. Anscheinend hat die EU-Kommission einen drastischen Kurswechsel vollzogen und will nun die Fusion der Musikgiganten ohne Auflagen billigen.

HB BRÜSSEL. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti und dessen Dienststelle hätten erkannt, dass zentrale Einwände nicht aufrechtzuerhalten seien, verlautete am Freitag in Brüssel aus EU-Kreisen. Montis Sprecherin nahm keine Stellung: „Das kommentieren wir nicht. Es wäre verfrüht.“

Monti hatte zunächst befürchtet, der Zusammenschluss verstärke eine kollektive Marktmacht einiger weniger weltweiter Musikriesen mit einer gleichförmigen Preispolitik. Im Falle einer Fusion wäre Sony/BMG mit einem Marktanteil bei bespielten Tonträgern von mehr als 20 % dem Branchenführer Universal auf den Fersen.

Angesichts mehrerer herber Niederlagen in Fusionsfällen vor dem Luxemburger EU-Gericht ist der mächtige Kommissar inzwischen sehr vorsichtig geworden und geht auf „Nummer Sicher“. Dem Vernehmen nach war BMG-Vorstandsvorsitzender Rolf Schmidt-Holtz am Donnerstag bei Monti.

Nach ihrem eigenen, verbindlichen Fahrplan hat die Kommission bis zum 22. Juli Zeit für eine Entscheidung. Die Wettbewerbsbehörde hatte im Februar eine vertiefte Prüfung wegen schwerer Bedenken eingeleitet, vor allem wegen drohender übermächtiger Marktmacht des neuen Verbundes bei CDs. Nun kam die Behörde zu dem Schluss, dass ihre Argumente für einen harten Konfrontationskurs mit den Unternehmen wohl nicht stark genug sind. Die Konzerne hatten zu Wochenbeginn ihr Vorhaben in einer zweitägigen Anhörung in Brüssel verteidigt.

Derzeit kontrollieren fünf Konzerne rund 80 % des weltweiten Tonträgermarktes. Wegen des Widerstandes der Brüsseler Wettbewerbsbehörde hatten EMI und Warner Music vor drei Jahren ihr Fusionsvorhaben zurückgezogen. Seitdem geriet der Musikmarkt jedoch erheblich unter Druck, unter anderem durch die Internetpiraterie. Sony und Bertelsmann wollen nach früheren Angaben bis zu 300 Mill. € im Jahr mit ihrem Joint Venture sparen. BMG hat Künstler wie Dido, Britney Spears oder Eros Ramazotti unter Vertrag. Bei Sony singen Stars wie Beyoncé, David Bowie, Mariah Carey, Shakira oder Jennifer Lopez.

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