Europas größte Zeitung
„Bild“-Chef peilt Rekord bei Vertriebserlösen an

„So viel Geld wie nie zuvor“ will „Bild“-Chef Kai Diekmann 2011 mit dem Vertrieb des Boulevard-Blatts verdienen, auch Preiserhöhungen seien eine Option. Zudem soll es eine „Bild-Buchreihe“ geben - mit Werken von Nobelpreisträgern.
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DüsseldorfEuropas größte Zeitung, „Bild“, steuert auf ein neues Rekordergebnis bei den Vertriebserlösen der gedruckten Zeitung zu. „Wir wollen nach dem sehr guten Jahr 2010 auch 2011 mit dem Verkauf der Zeitung so viel Geld verdienen, wie nie zuvor“, sagte „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann dem Handelsblatt. „Wir werden mit der gedruckten Ausgabe noch viele Jahre gutes Geld verdienen.“ Weitere Preiserhöhungen bei dem Flaggschiff des Medienkonzerns Axel Springer schloß der 47-Jährige nicht aus. „Für einen Cappuccino zahlen Sie heute im Cafe mindestens 2,80 Euro. Da sind 70 Cent für eine Zeitung nicht viel. Deshalb schließe ich auch nicht aus, dass Bild irgendwann einen Euro kosten wird“, sagte Diekmann.

„Bild“ ist mit täglich 2,9 Millionen verkauften Exemplaren die mit Abstand meistverkaufte Zeitung in Europa. Seit zwei Jahren ist die Online-Ausgabe auch der Marktführer unter den Nachrichtenportalen im Internet. Diekmann führt „Bild“ als Chefredakteur bereits seit über zehn Jahren. Er setzt auf Bezahlinhalte in der digitalen Medienwelt. „Schon heute bezahlen mehr als 100.000 Menschen jeden Tag für ihre digitale Bild-Ausgabe auf mobilen Endgeräten. Aber klar: Die Apps für Tablet PCs sind heute noch kein großes Geschäft im Vergleich zu Print. In drei Jahren wird das ganz anders sein“, sagt der „Bild“-Chef.

Das Boulevard-Blatt wird seine Zusatzgeschäfte weiter ausbauen. Noch in diesem Jahr wird „Bild“ mit einer Bücherreihe der Literaturnobelpreisträger an den Start gehen. „Vor 40 Jahren gab es den Nobelpreis-Kanon beim Bertelsmann-Buchklub. Wir werden die Idee nun mit 20 Bänden zu einem sensationellen Preis wieder beleben“, sagt Diekmann. Für das Buchprojekt habe er seit mehr als fünf Jahren gekämpft.

Eine Krise des Boulevards durch den Skandal um das britische Blatt „News of the World“ des Medienunternehmers Rupert Murdoch sieht Diekmann nicht. Er warnt vor voreiligen Schlussfolgerungen. „Worauf es ankommt, ist die korrekte Abwägung zwischen öffentlichem Informationsinteresse und Kontrollfunktion der Presse auf der einen Seite und Persönlichkeitsrechten auf der anderen Seite. Persönlichkeitsrechte dürfen nicht als Totschlagargument missbraucht werden, um unliebsame Recherchen zu diskreditieren“, sagt Diekmann. „Die Balance zu halten ist nicht immer einfach. Es ist oft ein schmaler Grat und auch wir machen nicht immer alles richtig.“ Diekmann sitzt im Beirat der britischen Zeitungen „Times“ und „Sunday Times“, die wie die mittlerweile eingestellte „News of the World“ zum Zeitungsimperium von Murdoch gehören.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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