Europas größter Touristikverlag setzt auf Internationalisierung seiner Marken
Mair-DuMont will mit mobilen Inhalten wachsen

Im deutschen Buchmarkt stößt Europas größter Reisebuch- und Kartenverlag Mair-DuMont (Falk, Baedeker, Marco Polo) an Wachstumsgrenzen. Deshalb will das Unternehmen vor allem mit dem mobilen Inhaltegeschäft und im Ausland wachsen.

OSTFILDERN. „Wir haben in diesem Jahr unseren Umsatz mit Navigationssystemen und Handys von vier auf acht Mill. Euro verdoppelt. In den nächsten Jahren streben wir ein Wachstum von jeweils 30 Prozent an“, sagt Geschäftsführer Frank Mair. Die Autohersteller sind an Informationen, die mobil ins Fahrzeug geliefert werden, stark interessiert. „Für unsere Kunden wird es zunehmend interessanter, über das Navigationssystem Zusatzinformationen zu Hotels oder Restaurants abrufen zu können“, sagte ein Sprecherin des Autoherstellers BMW. Die Münchener stellen ihren Kunden der Mittel- und Oberklasse Informationen aus den Gourmetführern von Michelin zur Verfügung. 2005 soll das Online-Angebot auch auf die 3-er und 1-er Serie ausgeweitet werden.

Für den Touristikriesen Mair aus dem schwäbischen Ostfildern aber spielt das Geschäft mit mobilen Inhalten bei einem erwarteten Jahresumsatz von 160 Mill. Euro noch eine Nebenrolle. Das soll sich schnell ändern. Bereits in diesem Jahr rüste Mair über 100 000 Auto-Navigationssysteme mit dem Falk-Reiseführer Europa aus, sagt der 36-Jährige. 180 externe Software-Entwickler arbeiteten an mobilen Navigations- und Reisediensten.

Der 1948 gegründete Mairs Geographischer Verlag hatte kürzlich den Reiseverlag des Kölner Zeitungshauses DuMont Schauberg erworben und benennt sich zum Jahreswechsel in Mair-DuMont um. „Dass wir DuMont in den Namen unseres Familienunternehmen aufnehmen, zeigt, welche Bedeutung wir der Marke zumessen“, sagt Verlegerin und Gesellschafterin Stephanie Mair-Huydts. Mit der Übernahme von DuMont (Jahresumsatz: 12 Mill. Euro) hält Mair 41 Prozent am deutschen Reisebuchmarkt.

Die Verlagsgruppe will im kommenden Jahr stark expandieren – vor allem im Ausland. Denn ähnlich wie den Konkurrenten Polyglott (Langenscheidt) oder Merian (Verlagsgruppe Ganske) bläst Mair im Heimatmarkt der Wind ins Gesicht. Im November gingen nach einer Erhebung der GfK die Buchumsätze um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Im ähnlichen Maß ist die Reisebuchbranche betroffen. „Unser Markt liegt nicht in Deutschland, sondern in Europa. Wir machen bereits ein Viertel unseres Umsatzes im Ausland“, sagt Mair, der die Erlöse außerhalb Deutschlands deutlich steigern will.

Zu den Erlös- und Ertragszielen 2005 schweigt das Familienunternehmen. „Wir schätzen den Markt positiv ein, aber nach dem 11. September 2001 hatten wir eine Riesendelle“, sagt Mair-Huydts. „Wir haben in unserer Firmengeschichte aber immer schwarze Zahlen geschrieben.“

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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