Europazentrale in Dublin
Facebook lässt sich in die Karten schauen – ein bisschen

Hakenkreuze müssen raus - oder doch nicht?

In einem Konferenzraum auf der obersten Etage der Zentrale im Silicon Dock steht Siobhán Cummiskey. Als Ordnungshüterin Facebooks spricht die „Policy Managerin für Europa“ vor einer Handvoll ausgewählter Journalisten aus Deutschland, die zu Facebooks erstem deutschen Medientag eingeladen sind. Bisher hat das Unternehmen nur sehr verhalten nach außen kommuniziert und nicht gerade auf Transparenz gesetzt. Das scheint man jetzt ändern zu wollen. Wenigstens ein bisschen.

Vom Alltag im Community Operation Team erzählt Cummiskey und wirbt für Verständnis für den schmalem Grat, auf dem Facebooks Moderatoren wandeln: Ganz im Sinne des amerikanischen Rechts auf „Freedom of Speech“ darf auf Facebook jeder sagen, was er denkt und fühlt. „Auch wenn er damit andere Menschen schockt oder beunruhigt“, betont Cummiskey. Gleichzeitig müssen die Content-Moderatoren darüber wachen, dass Facebook ein sicherer Ort für alle ist und bleibt.

Cummiskey hat einen Kollegen aus dem Community-Team mitgebracht. Einen der vielen deutschen Mitarbeiter, einen Muttersprachler im schwarzen Kapuzenpulli, der sich von Dublin aus jeden Tag auch um deutsche Hass-Kommentare kümmert. Er muss immer wieder aufs Neue entscheiden: Was lasse ich drin, was muss raus? Wird nur das eine Posting entfernt oder gleich die ganze Seite bei Facebook? Ist die Aussage vielleicht nur ironisch gemeint? Oder muss gelöscht werden?

Maschinen und Algorithmen allein finden auf diese Fragen keine passenden Antworten. Beispiel Titanic-Magazin: Das Satireblatt hatte ein – ironisches – Posting abgesetzt, das zahlreiche Hakenkreuze enthielt und sich über die neuen Emoticons (Emojis) als Ergänzung zum „Gefällt mir“-Button lustig machte. Eigentlich sind Hakenkreuze und andere Hass-Symbole bei Facebook verboten und werden gelöscht. Aber in diesem speziellen Fall wurde das Hakenkreuz nicht aus politischen Gründen genutzt, sondern eher um Facebook lächerlich zu machen. Eine komplexe Entscheidung also für die Content-Moderatoren. Das Titanic-Posting blieb stehen.

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