Euvia Media komplett übernommen
Pro Sieben Sat1 schluckt 9-Live-Familie

Die Senderfamilie um den Gewinnspiel-Kanal 9-Live gehört künftig zu Pro Sieben Sat1. Der führende deutsche TV-Konzern übernimmt die Euvia Media AG komplett. Damit will Pro Sieben unabhängiger vom Werbegeschäft werden.

HB MÜNCHEN. Pro Sieben Sat1 übernehme die verbliebenen 51,6 % an Euvia Media für 155 Mill. €, teilte der Konzern am Dienstag in München mit. Der Kaufpreis verringere sich aber um 40 Mill. € durch Barmittel in der Bilanz von Euvia. An der Börse gab der Kurs der im Nebenwerteindex MDax notierten Pro--Sieben-Aktie zwischenzeitlich um knapp zwei Prozent auf 14,11 € nach, während der Gesamtmarkt etwa unverändert tendierte. Analysten stuften den Zukauf als recht teuer, aber insgesamt positiv für das Unternehmen ein.

Euvia, an der ProSieben zuvor 48,4 % der Anteile gehalten hatte, betreibt den Quizsender Neun Live und den Reisekanal Sonnenklar TV. „Die vollständige Übernahme des Unternehmens betrachten wir als eine Maßnahme, die unserem strategischen Ziel Rechnung trägt, die Diversifikationserlöse zu erhöhen“, sagte Pro Sieben Sat1-Chef Guillaume de Posch zu dem Plan, die Umsätze außerhalb der Werbung zu erhöhen.

Wie andere Medienunternehmen hat Pro Sieben Sat1 unter der langen Werbeflaute gelitten. Der Konzern hat sich daher zum Ziel gesetzt, den Anteil der Erlöse außerhalb des Werbegeschäfts von zuletzt rund sieben Prozent bis 2007/2008 zu verdoppeln. Eine Firmensprecherin sagte, durch die komplette Übernahme von Euvia steige dieser Anteil nun auf etwa zehn Prozent.

Beim Transaktionsfernsehen erzielen Betreiber wie Euvia Media ihre Einnahmen stark über Gebühren etwa für Telefonanrufe von Zuschauern. Euvia setzte 2004 102,4 Mill. € um und erzielte einen operativen Gewinn (Ebitda) von 28,2 Mill. €. 48,6 % der Anteile, die nun übernommen werden, stammen von Firmen des US-Medienunternehmers Barry Diller, drei Prozent kommen von Euvia-Chefin Christiane zu Salm. Salm solle das Geschäft weiter leiten, hieß es. Einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, wonach für sie ein Vorstandsposten bei Pro Sieben Sat1 im Gespräch sei, kommentierte die Sprecherin nicht. In Branchenkreisen hieß es, dies sei sehr unwahrscheinlich.

Pro-Sieben-Chef de Posch kündigte an, mit Euvia Media wolle sein Unternehmen die Expansion im Bereich Transaktionsfernsehen vorantreiben. Die volle Konsolidierung von Euvia werde zu einer deutlichen Steigerung der Umsätze und der Gewinne der Gruppe führen. Nach Angaben der Sprecherin werden die Erlöse von Euvia in diesem Jahr zeitanteilig berücksichtigt. Für 2005 ging Pro Sieben Sat1 bislang davon aus, den Vorjahresumsatz von 1,835 Mrd. € nochmals steigern zu können. Der Gewinn soll den Wert des vergangenen Jahres von 133,6 Mill. € durch geringere Zinslasten und Einsparungen deutlich übertreffen.

Analyst Jan Herbst vom Bankhaus Sal Oppenheim bezeichnete den Kaufpreis für Euvia als recht hoch. „Der Schritt war richtig, aber es war kein Schnäppchen“, sagte er. Umgerechnet auf alle Anteile liege die Bewertung bei 320 Mill. € und damit bei rund dem Dreifachen des Umsatzes von Euvia. Die Frage sei, ob die Wachstumserwartungen erfüllbar seien.

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