Eventuell Verkauf von Freenet
United Internet rutscht in Verlustzone

Der Internetanbieter United Internet hat im dritten Quartal Verluste geschrieben. Unter dem Strich stand ein Minus von 103,8 Mio. Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Im Vorjahresquartal konnte das Unternehmen noch einen Gewinn von 37,6 Mio. Euro vermelden. Darufhin senkte das Unternehmen die Prognose. Als nächstes könnte die Freenet-Sparte zum Verkauf stehen.

HB DÜSSELDORF. Der Internetanbieter United Internet (UI) bekommt die konjunkturelle Abkühlung zu spüren. Weil der Online-Werbemarkt schwächelt und auch das Portalgeschäft weniger stark wächst als gedacht, senkte der Vorstand am Donnerstag die Prognosen für Umsatz und operatives Ergebnis. Erst im August hatte UI das Erlösziel für 2008 gesenkt. Auch die Beteiligungen an den Konkurrenten Freenet und Drillisch bereiten der Firma aus Montabaur derzeit nicht viel Freude. Weil deren Aktienkurse stark fielen, setzt UI den Wert der Beteiligungen in seinen Büchern um 145,6 Mio. Euro herab. Dies führte im dritten Quartal zu einem Nettoverlust von 104 Mio. Euro. Im Vorjahr stand noch ein Gewinn von 37,6 Mio. Euro in den Büchern.

United Internet rechnet nun im Gesamtjahr nur noch mit einem Umsatzanstieg von 11,6 Prozent auf 1,66 (Vorjahr: 1,49) Mrd. Euro. Zuletzt hatte die Firma noch 16 Prozent in Aussicht gestellt. Das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) soll um etwa elf Prozent auf rund 330 (297) Mio. Euro steigen. Hier hatte UI einen Anstieg um 20 Prozent angepeilt.

Auch für das DSL-Geschäft ist UI vorsichtiger. Nachdem im dritten Quartal wie geplant 20 000 Nutzer hinzukamen, erwartet UI für das Schlussquartal etwa 60 000 statt 100 000 neue Kunden. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen verliert UI Kunden für den herkömmlichen Internet-Anschluss, nicht alle wechseln auch zu den Komplettpaketen aus Telefon und Internet. Zum anderen nutzt UI, das über kein eigenes Netz verfügt, seit einigen Monaten ein neues DSL-Produkt der Telekom. Bei der Umschaltung der Kunden kommt es nach Angaben von UI zu einem Auftragsstau.

Insgesamt konnten das DSL-Geschäft zusammen mit dem Portalgeschäft und dem Webhosting im dritten Quartal die Schwäche im Online-Marketing mehr als ausgleichen. UI verzeichnete von Juli bis September ein Umsatzplus auf 407 Mio. Euro von 375 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) legte nur leicht um 1,4 Prozent auf 77,7 Mio. Euro zu. Von Reuters befragte Analysten hatten durchschnittlich mit einem Umsatz von 418 Mio. Euro, einem Ebitda von 87 Mio. Euro und einem Verlust von 97 Mio. Euro gerechnet.

Der Internetanbieter kündigte derweil an, sich zum richtigen Zeitpunkt von seiner Beteiligung am Konkurrenten Freenet trennen. „Wenn der Preis für Freenet wieder stimmt, könnten wir uns vorstellen unsere Beteiligung abzustoßen“, sagte United-Internet-Chef Ralph Dommermuth am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Wenn das Geschäft richtig geführt wird und die Finanzkrise beendet ist, dann kommt die Aktie sicher auch wieder auf die 16 Euro, zu denen wir gekauft haben“, umriss er die Bedingungen für einen möglichen Verkauf.

Derzeit sucht Freenet nach einem Käufer für seine DSL-Sparte. Dommermuth wollte nicht sagen, ob sein Unternehmen selbst noch unter den Interessenten ist.

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