Exklusive Verhandlungen
Alain Weill will französische „La Tribune“ übernehmen

Der französische Medienunternehmer Alain Weill, Besitzer der Spartensender RFM (Sport, Info, Talk) und BFM (Wirtschaft) will die Zeitung „La Tribune“ kaufen. Weills Holding News Participations kündigte am Mittwochabend an, darüber in exklusive Verhandlungen mit dem Luxus-Konzern LVMH eingetreten zu sein. Die Zeitungsmitarbeiter fürchten harte Einschnitte.

PARIS. Anfang der Woche hatte LVMH-Großaktionär Bernard Arnault den Kauf der Wirtschaftszeitung „Les Echos“ von der Pearson-Gruppe für 240 Mill. Euro perfekt gemacht. Um eine Monopolsituation in der Wirtschaftspresse zu verhindern, muss er nun „La Tribune“ abgeben. Die Redaktion von „Les Echos“ hatte sich vier Monate vergeblich gegen den Verkauf gewehrt, da sie um ihre journalistische Unabhängigkeit fürchtet. Dagegen haben die Redakteure von „La Tribune“ schier Sorge um das Überleben ihres Blattes, das pro Jahr rund zehn Mill. Euro verliert.

Über die Offerte Weills und seinen Restrukturierungsplan sind noch keine Details bekannt. Diese wolle er „in den kommenden Tagen“ dem Betriebsrat von „La Tribune“ erklären, hieß es. In einem Interview hatte Weill erklärt, dass er das „La Tribune“ in nur drei Jahren in die schwarzen Zahlen führen will. Er strebe vor allem Einsparungen bei der Herstellung, dem Vertrieb und den Allgemeinkosten an, sagte er der „Presse News“ Ende Oktober. „Es wird dagegen keinen Sozialplan bei La Tribune geben“, versprach er. Seine Holding News Participation habe die Mittel, bis zu 40 Mill. Euro in das Blatt zu investieren. Inhaltlich wolle er „La Tribune“ stärker von „Les Echos“ abheben, indem der redaktionelle Fokus stärker auf Finanzthemen und neue Technologien gelegt werden solle.

Weill eilt der Ruf eines Sanierers voraus, der auch vor harten Einschnitten nicht zurückschreckt. Die von ihm übernommenen Radio-Sender hat er in die Gewinnzone geführt. Anfang des Jahres kaufte seine Tochter Next Radio TV für 80 Mill. Euro die Print-Gruppe Tests, die auf Publikationen rund um neue Technologien spezialisiert ist. Dort strich er 140 von 400 Stellen und stellte zahlreiche Titel ein.

Der Betriebsrat von „La Tribune“ erneuerte in einer Mitteilung seinen Verdacht, dass LVMH-Eigner Arnault den Käufer von „La Tribune“ nur nach dem Kriterium auswähle, dass dieser eine möglichst geringe Gefahr für „Les Echos“ darstelle. Die Beschäftigten riefen daher Wirtschaftsministerin Christine Lagarde auf, den Auswahlprozess zu überwachen. Ferner lägen keine ausreichende Informationen vor, um die Glaubwürdigkeit der Offerte Weills einzuschätzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%