Exklusivvertrag
Amazon bootet Verlage bei E-Books aus

Der Internethändler Amazon schließt einen Exklusivvertrag mit dem Erfolgsautor Stephen Covey ab und darf nun die elektronischen Ausgaben von Coveys Büchern exklusiv vertreiben. Sollte diese Methode Schule machen, müssen Verlage fürchten, schrittweise aus dem E-Book-Geschäft verdrängt zu werden.
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DÜSSELDORF. Es ist eine Entscheidung, die für die Buchverlage noch gefährlich werden kann: Der amerikanische Schriftsteller Stephen Covey, Autor einer Reihe sehr erfolgreicher Karriereratgeber, vermarktet die elektronischen Ausgaben seiner Bücher exklusiv über den Internethändler Amazon. Damit bootet er seinen Verlag Simon & Schuster aus, der die Rechte an den gedruckten Ausgaben hält.

Sollte die Vereinbarung zwischen Covey und Amazon Schule machen, wäre das für die Verlage durchaus heikel: Sie müssten befürchten, schrittweise aus dem wachstumsträchtigen Geschäft mit E-Books gedrängt zu werden. Bislang sei ein solcher Trend zwar nicht erkennbar, sagte Rolf Nüthen, Geschäftsführer des Verleger-Ausschusses im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. "Wenn sich solche Fälle aber häufen würden, könnte das für die Verlage problematisch werden." Allerdings sei es zweifelhaft, ob sich die Häuser auf für sie unvorteilhafte Verträge einlassen würden, in denen sie nicht über die E-Book-Rechte verfügten.

In den Vereinigten Staaten haben die Werke, die über elektronische Lesegeräte wie Amazons Kindle verbreitet werden, bereits eine recht breite Leserschaft gefunden. In Deutschland steckt der Markt noch in den Kinderschuhen. Laut einer Umfrage des Börsenvereins erwirtschaften fast 80 Prozent der Verlage weniger als ein Prozent ihres Umsatzes mit E-Books. Allerdings erwartet der Branchenverband in den nächsten Jahren kräftiges Wachstum.

Amazon wird zunächst zwei der älteren, aber nach wie vor erfolgreichen Bestseller Coveys als E-Books über seine Internetplattform anbieten, weitere Bücher sollen folgen. Die Rechte reicht der 77-Jährige nicht direkt an Amazon weiter, sondern an den kleinen E-Book-Verlag Rosetta Books, der diese wiederum für Amazon lizensiert.

Für Covey ist der Deal vor allem aus zwei Gründen interessant: Er erhält im Gegenzug die Hälfte der Einnahmen, die Rosetta Books über das Online-Kaufhaus erzielt. Das ist doppelt so viel, wie Autoren üblicherweise für ihre E-Books kassieren. Zudem kündigte Amazon an, die Werke, darunter das auch in Deutschland in hoher Auflage erschienene "Die 7 Wege zur Effektivität", aggressiv zu vermarkten.

Coveys Verlag Simon & Schuster wollte sich zu der Vereinbarung nicht direkt äußern. Ein Sprecher sagte lediglich, aus Sicht des Unternehmens lägen die Rechte an den elektronischen Ausgaben älterer Werke beim Verlag. Verlagshäuser und Autoren streiten in den USA bereits seit längerem darüber, wer die Rechte an den Büchern hält, wenn in den Verträgen keine expliziten Angaben zu dem neuen Verbreitungsweg festgehalten sind.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

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