Expansion in Asien
Burda baut Tiefdruckerei in Indien

Von Offenburg nach Neu-Delhi: Gemeinsam mit einem heimischen Zeitungskonzern plant das deutsche Verlagshaus eine neue Druckerei in der indischen Hauptstadt. Der Subkontinent gilt in der Branche als aussichtsreicher Wachstumsmarkt. In Deutschland werden im gleichen Zuge Überkapazitäten abgebaut.

DÜSSELDORF. Der Medienkonzern Burda und der indische Tageszeitungsverlag Hindustan Times Media wollen gemeinsam eine Tiefdruckerei in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi errichten. Das bestätigte der Burda-Druck-Chef Egon Weimer am Rande der Fachmesse Drupa in Düsseldorf dem Handelsblatt. Burda wird für das Joint Venture seine noch im badischen Offenburg stehende Tiefdruckrotation abbauen und bis Ende 2009 in Neu-Delhi in Betrieb nehmen. Die Druckkapazität des gleichberechtigten Joint Ventures liegt bei jährlich 50 000 Tonnen. Das börsennotierte Medienunternehmen Hindustan Times Media ist eine der größten Zeitungskonzerne des Subkontinents.

Indien gilt bei Zeitschriften- und Katalogdruck noch als Wachstumsmarkt. Der Optimismus bei Burda für den Tiefdruckmarkt in Indien ist groß. „Wir haben bereits Aufträge aus dem asiatischen Raum in der Tasche“, sagt Burda-Manager Weimer.Auch Konkurrenten wie Gruner + Jahr sind nicht untätig. Erst vor wenigen Tagen startete die Bertelsmann-Tochter eine indische Ausgabe des Magazins „Geo“.

Die Verlegung der beiden Tiefdruckrotationen ermöglicht im Gegenzug, das Offenburger Druckzentrum zu modernisieren und zu rationalisieren. Dort wird eine neue Druckmaschine im Wert von 30 Mill. Euro aufgestellt und bis März 2009 in Betrieb genommen. Burda investiert an seinem Druckstandort Offenburg insgesamt 98 Mill. Euro.

Mit der Verlagerung der bisherigen Rotation nach Indien baut Burda Überkapazitäten in Deutschland ab. Der europäische Tiefdruckmarkt ist derzeit in der Krise. Die Überkapazitäten haben zu einem Preisverfall geführt. Das bekommt auch der Medienkonzern Bertelsmann zu spüren. Sein Tiefdruck-Konzern Prinovis mit rund einer Mrd. Euro Umsatz befindet sich derzeit in schwerem Fahrwasser. Der Druckstandort Darmstadt wird Ende des Jahres geschlossen. „Wir sind mit der Entwicklung nicht zufrieden“, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner zur Lage bei Prinovis. Axel Springer ist mit rund 25 Prozent an Prinovis beteiligt.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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