Aktionärsschützer haben den Rücktritt von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke positiv aufgenommen. Der Wechsel an der Spitze des Konzerns sei konsequent, teilte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) mit. Telekom-Experte Torsten J. Gerpott äußerte dagegen heftige Kritik am Aufsichtsrat der Deutschen Telekom und warf dem Gremium Aktionismus vor.
hac/HB DUISBURG. „Hier wird Symbolpolitik gemacht. Kai-Uwe Ricke muss für eine Entwicklung gehen, die sich seit längerem abzeichnet und die er nicht allein zu verantworten hat“, kritisiert Torsten J. Gerpott, Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmens- und Technologieplanung sowie Telekommunikation an der Universität Essen-Duisburg. „Der Aufsichtsrat will Handlungsfähigkeit beweisen und sucht einen Sündenbock für Fehler, die er in der Vergangenheit selber mit zu verantworteten hat. Das ist ein Beispiel für schlechte Aufsichtsratsarbeit, schlechte Corporate Governance“, sagte Gerpott im Gespräch mit Handelsblatt.com.
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Von Rene Obermann erwartet Gerpott keinen radikalen Richtungswechsel. „Was Ricke angefangen hat - Personalabbau, neue Produkte und die Ausgliederung von Betriebsteilen, um Löhne und Gehälter zu senken -, wird Obermann fortführen.“
Zugleich warnte Gerpott davor, Obermann nur als Zwischenlösung einzusetzen. „Das Unternehmen braucht schnell ein neues, handlungsfähiges Top-Management. Wenn das Hick-hack noch weiter gehen würde, wäre das auch ein Armutszeugnis für den Aufsichtsrat und Herrn Zumwinkel.“
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Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), bezeichnete dagegen den Wechsel bei der Deutschen Telekom als konsequent. Durch die rasante Entwicklung im Festnetzgeschäft drohe die Telekom ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Ricke habe darauf keine Antwort gefunden und nicht schnell und konsequent genug eingegriffen, sagte Keitel. Ricke habe zwar den Schuldenabbau der Telekom vorangetrieben, doch ihm sei es nicht gelungen, die Geschäftsstrategie des Konzerns weiterzuentwickeln.
Der Fall Ricke zeige auch, dass der Einfluss internationaler Finanzinvestoren in deutschen Unternehmen zunehme, weil diese entschlossener auf Veränderungen drängten als andere, sagte Keitel. Der US-Investor Blackstone, der seit Frühjahr 4,5 Prozent an der Telekom hält, könne härter vorgehen als der deutsche Staat als Hauptaktionär. Der Bund sei sicherlich zurückhaltender, wenn es etwa um weitere Einschnitte für die Beschäftigten gehe. „Von solchen Rücksichtnahmen ist ein Finanzinvestor frei“, sagte Keitel.
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Gerpott äußerte sich kritisch zur Rolle des Bundes und des Finanzinvestors Blackstone. Sie regierten in das Tagesgeschäft hinein. „Das macht es für einen Vorstandsvorsitzenden, egal ob er Kai-Uwe Ricke oder René Obermann heißt, schwierig. Die Shareholder-Seite sollte mehr Geduld haben.“
Blackstone und der Bund hätten sich für Rickes Abgang stark gemacht, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Sonntag. Blackstone habe schon im September auf einen Rauswurf von Ricke gedrängt, was Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und der Bund aber abgelehnt hätten. Mittlerweile sei das Verhältnis zwischen Zumwinkel und Ricke aber merklich abgekühlt, hieß es. Auf einer inoffiziellen Sitzung des Aufsichtsrates nach der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag habe Zumwinkel den Vorstandsvorsitzenden massiv kritisiert. „Da hat es richtig gekracht“, hieß es.

