Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), bezeichnete dagegen den Wechsel bei der Deutschen Telekom als konsequent. Durch die rasante Entwicklung im Festnetzgeschäft drohe die Telekom ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Ricke habe darauf keine Antwort gefunden und nicht schnell und konsequent genug eingegriffen, sagte Keitel. Ricke habe zwar den Schuldenabbau der Telekom vorangetrieben, doch ihm sei es nicht gelungen, die Geschäftsstrategie des Konzerns weiterzuentwickeln.
Der Fall Ricke zeige auch, dass der Einfluss internationaler Finanzinvestoren in deutschen Unternehmen zunehme, weil diese entschlossener auf Veränderungen drängten als andere, sagte Keitel. Der US-Investor Blackstone, der seit Frühjahr 4,5 Prozent an der Telekom hält, könne härter vorgehen als der deutsche Staat als Hauptaktionär. Der Bund sei sicherlich zurückhaltender, wenn es etwa um weitere Einschnitte für die Beschäftigten gehe. „Von solchen Rücksichtnahmen ist ein Finanzinvestor frei“, sagte Keitel.
Die aktuellen Einschätzungen der Analysten zur Telekom-Aktie
Gerpott äußerte sich kritisch zur Rolle des Bundes und des Finanzinvestors Blackstone. Sie regierten in das Tagesgeschäft hinein. „Das macht es für einen Vorstandsvorsitzenden, egal ob er Kai-Uwe Ricke oder René Obermann heißt, schwierig. Die Shareholder-Seite sollte mehr Geduld haben.“
Blackstone und der Bund hätten sich für Rickes Abgang stark gemacht, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Sonntag. Blackstone habe schon im September auf einen Rauswurf von Ricke gedrängt, was Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und der Bund aber abgelehnt hätten. Mittlerweile sei das Verhältnis zwischen Zumwinkel und Ricke aber merklich abgekühlt, hieß es. Auf einer inoffiziellen Sitzung des Aufsichtsrates nach der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag habe Zumwinkel den Vorstandsvorsitzenden massiv kritisiert. „Da hat es richtig gekracht“, hieß es.

