Experten bezweifeln Rentabilität der Investition in die Fußball-WM
ARD und ZDF stechen Private bei WM-Übertragung 2010 aus

ARD und ZDF haben die privaten Sender im Rennen um die Übertragungsrechte für die Fußballweltmeisterschaft ausgestochen. Der Weltfußballverband Fifa gab am Mittwoch bekannt, dass 46 von 64 Spielen der Fußball-WM 2010 in Südafrika an die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gehen. Damit werden wie bei der WM im kommenden Jahr in Deutschland die privaten Sender leer ausgehen. Einzig der Münchener Bezahlsender Premiere ist mit von der Partie. Premiere überträgt alle 64 Spiele, 18 davon exklusiv.

DÜSSELDORF. Wie viel die Sender an die Fifa zahlen, bleibt offen. Branchenkreise sprechen von mindestens 180 Millionen Euro, die ARD und ZDF für das Paket geboten haben sollen. „Wie bereits beim Vertragsabschluss zur WM 2006 sind wir unseren Prinzipien treu geblieben: die wichtigsten Spiele des Weltturniers im frei empfangbaren Fernsehen zu vertretbaren Konditionen“, behauptet der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber. ZDF-Intendant Markus Schächter betonte, dass es durch den Einstieg von Premiere eine „finanzielle Entlastung“ gegeben habe. Fifa-Präsident Joseph Blatter dagegen erklärte viel sagend: „Die Zahlen sind enorm und beweisen, welchen Stellenwert der Fußball hat.“

Nach Angaben von Blatter beträgt das Gesamtvolumen des WM-Fernsehpaketes für den europäischen Markt rund eine Milliarde Euro. Das seien rund 50 Prozent mehr, als die Schweizer Agentur Infront für die WM-Rechte 2006 bezahlt habe. Diesmal geht der Favorit Infront überraschend leer aus. Ein harter Schlag für den von Günter Netzer geführten Vermarkter, der damit seine wichtigste Umsatzquelle verliert.

Denn anders als bisher vergibt die Fifa die Rechte für die WM 2010 in den fünf wichtigsten Fernsehmärkten direkt an die TV-Stationen. Mit den Rechten generiert die Fifa gigantische Einnahmen. Hatte man bei der Weltmeisterschaft 1990 gerade einmal 57 Millionen Euro aus den Verträgen erlöst, so ist es bei dieser Weltmeisterschaft in Deutschland schon fast eine Milliarde. Fifa-Generalsekretär Urs Linsi hatte im Vorfeld der Verhandlungen angekündigt, dass die TV-Rechte 2010 noch einmal 30 bis 40 Prozent mehr erlösen sollen.

Die hohen Summen für die Übertragungsrechte sind für die Sender über Werbeeinnahmen kaum zu finanzieren. So finden bei der WM im kommenden Jahr die meisten Spiele nach 20 Uhr statt – zu einer Zeit, in der die Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr werben dürfen. Auch sonntags bleiben Spots für ARD und ZDF tabu. Zudem ist die maximale Länge von Werbeblöcken pro Tag auf 20 Minuten beschränkt.

„Wir haben uns über die Preise noch gar keine Gedanken gemacht“, bekennt Michael Lina, Leiter TV-Marketing beim ARD-Vermarkter ARD Sales & Services. Erst nachdem der Verkauf der Werbezeiten Anfang 2006 über die Bühne gegangen sei, könne man sagen, ob sich der Kauf der Lizenzen gelohnt habe. Experten gehen davon aus, dass die öffentlich-rechtlichen Sender im kommenden Jahr nur rund 90 Millionen Euro über Werbung und Sponsoring generieren können. „Die finanzielle Unterdeckung ist also enorm“, sagt Peter Christmann, Chef des Werbezeitenvermarkters der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe Seven One Media. Mediaagenturen raten den meisten ihrer Kunden davon ab, Spots rund um die Spiele der Weltmeisterschaft zu platzieren: „Das lohnt sich nur für Firmen, die wirklich viel Geld in die Hand nehmen können“, sagt Markus Biermann, Geschäftsführer der Agentur Crossmedia.

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