Experten mit Bedenken
Lenovo holt sich Chef von Dell

Es ist nicht der erste überraschende Karrieresprung von William Amelio. Doch erstmals erklimmt der 48-jährige Amerikaner einen Konzern-Chefsessel.

HB PEKING. Amelio wird mit sofortiger Wirkung neuer Chief Executive Officer (CEO) der chinesischen Lenovo Group, des inzwischen drittgrößten Computerherstellers der Welt. Mit der Personalie ist dem jungen Branchen-Herausforderer aus Peking ein Schlag gegen den Rivalen Dell gelungen. Denn für den US-Computerhersteller war Amelio seit 2001 Chef des Asiengeschäfts. Der smarte Mann aus Pittsburgh mit dem breiten Lachen gilt als Architekt der rasanten Dell-Expansion in der Region. Er bringt durch seinen Wechsel viel Dell-Wissen in die Lenovo-Zentrale.

Der Computerbauer, in China klarer Marktführer, hält weltweit bislang nur knapp die Hälfte der Marktanteile führender Anbieter wie Dell und Hewlett-Packard. Ein Coup war die Übernahme der PC-Sparte von IBM vor einem Jahr. Jetzt soll Amelio vor allem das Geschäft mit kleineren und mittleren Unternehmen im Ausland nach vorne bringen.

Amelio ersetzt Ex-IBM-Manager Stephen Ward, der nach dem Kauf der PC-Sparte neben dem mächtigen Lenovo-Chairman Yang Yanqing CEO geworden war. Man habe mit Ward einvernehmlich die Entscheidung gefällt, sagte Yang gestern. Nach der IBM-Integration müsse der Konzern nun aggressiver wachsen. Yang: „Amelio hat dafür den perfekten beruflichen Hintergrund.“

Wie Ward war Amelio zunächst ebenfalls lange – von 1979 bis 1997 – bei IBM. Danach war Amelio beim US-Konzern Honeywell, bevor er im Juli 2000 Chief Operating Officer des Bereichs Kassen- und Geldautomaten beim NCR-Konzern wurde.

Diesen Job beendete Amelio sehr abrupt. Damals gab der Manager, der gerade Vater eines dritten Sohns geworden war, „reine familiäre Gründe“ an. Kurz darauf wechselte er als Dell-Asienchef nach Singapur. Von dort aus wird er zunächst auch seinen neuen Job für Lenovo wahrnehmen. Der Konzern, an der Nasdaq gelistet, hat kürzlich den Sitz von Peking nach New York verlegt.

Amelios Erfahrungen dürften beim Aufstieg Lenovos auf dem Weltmarkt sehr helfen, meint Analyst Marvin Lo von BNP Paribas. Allerdings sehen viele Experten den Abgang Wards nicht ohne Bedenken. Zwar galt der IBM-Mann nach der Übernahme als Verlierer, doch sein Wechsel komme früh. Möglicherweise verlaufe die Integration der US-Manager in den chinesischen Konzern nicht reibungslos.

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