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Facebook: Ein milliardenschweres Täuschungsmanöver

Mark Zuckerberg ist ein Meisterstreich gelungen: Er überzeugte Experten und Anleger davon, dass ein Konzern, der pro Kunde keine drei Dollar im Jahr umsetzt, 100 Milliarden Dollar wert sei. Für den Coup hatte er Helfer.

Vom Facebook-Börsengang profitierten vor allem Zuckerbergs Investoren. Quelle: dapd
Vom Facebook-Börsengang profitierten vor allem Zuckerbergs Investoren. Quelle: dapd

DüsseldorfMan kann sagen, der Börsengang von Facebook ist unglücklich gelaufen. Die Aktie hat seit dem Börsenstart am 18. Mai 45 Prozent ihres Werts und damit mehr als 40 Milliarden Dollar verloren. Aber der vermeintliche Unglücksfall erinnert in vielem an ein Bubenstück, wie es im modernen Investment-Banking durchaus üblich ist.

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Am 27. Juni, als die Facebook-Aktie bereits von 42 auf 32 Dollar gefallen war, empfahl Goldman Sachs das Papier zum Kauf. Ziel: 42 Dollar. Soziale Plattformen wie das Onlinenetzwerk seien ein „Wegweiser in eine neue Ära des Internets", schrieb Goldman-Analystin Heather Bellini. Zwei Wochen später, die Aktie hatte sich kaum bewegt, gab die US-Bank JP Morgan Chase ein Kursziel von 45 Dollar aus. Ende Juli, die Aktie war auf 23 Dollar gerutscht, schlug Morgan Stanley vor: „Kaufen!"

Soziale Netzwerke Schneller Aufstieg, tiefer Fall

Vor Facebook gab es viele andere: GeoCities, Friendster oder MySpace. Heute sind diese Netzwerke so gut wie bedeutungslos. Sie wurden von der nächsten Generation überrollt. Viel Umsatz machte keines der Unternehmen.

Soziale Netzwerke: Schneller Aufstieg, tiefer Fall

Und so wiederholt sich die Geschichte. „Wenn es schon Wahnsinn geben muss", schrieb der Ökonom John Kenneth Galbraith im September 1929 über die Börsenkrise in den USA, „dann spricht einiges dafür, ihn in einer epischen Größe zu haben." Es scheint, als würden die Beteiligten an dem Facebook-Börsengang diese Ansicht teilen.

100 Milliarden Dollar: Das war die Summe, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, seine Investoren und die begleitenden Banken vor dem Börsengang als faire Bewertung für Facebook verkündeten - ein Unternehmen, das 2011 nur eine Milliarde Dollar Gewinn erzielte. Man hätte sie auslachen können. Doch die Meinungsmacher heizten den Wahnsinn nur weiter an.

Am 17. Mai, dem Tag vor dem Börsengang, erschien das Team der Fernsehshow „Fast Money" auf dem Sender CNBC geschlossen in Kapuzen-Sweatshirts - eine Verbeugung vor Facebook-Gründer Zuckerberg und seinem Lieblingskleidungsstück. Am selben Tag sagte der Aktienexperte Jim Cramer auf CNBC: „Sollte man diese Aktie vielleicht nicht kaufen? Nein, nein, nein und nein! Diese Aktie hat nichts mit der Dotcom-Blase zu tun, mit der die Leute vor elf Jahren ihr Vermögen verloren haben."

Wer vom Facebook-Börsengang profitiert

  • Mark Zuckerberg

    Der Chef und Gründer von Facebook besitzt knapp 534 Millionen Aktien. Dieser Anteil von 28 Prozent ist etwa 28 Milliarden Dollar wert. Damit wäre der 27-Jährige der viertreichste Amerikaner. Nach einer Aufstellung der Zeitschrift „Forbes“ sind dann nur Microsoft -Gründer Bill Gates, der legendäre Investor Warren Buffett und Oracle -Chef Larry Ellison wohlhabender als Zuckerberg.

  • Risikokapitalgeber

    Jim Breyer und seine Risikokapitalfirma Accel Partners besitzen zusammen etwa elf Prozent der Facebook-Anteile, die nun etwa 11,4 Milliarden Dollar wert sein dürften. Accel stieg bei Facebook im Jahr 2005 ein, als das Unternehmen mit 100 Millionen Dollar bewertet wurde. Das Unternehmen investierte damals 12,7 Millionen Dollar.

    Weitere wichtige Eigner sind die russische Gesellschaft DST Global mit sieben Prozent, Goldman Sachs mit 3,5 Prozent, der Investor Peter Thiel mit zwei Prozent und die Firma T. Rowe Price mit einem Prozent. Der Internetpionier Marc Andreessen und seine Beteiligungsfirma Andreessen Horowitz besitzen einen kleinen Teil von Facebook.

    Die Rendite der Eigner hängt davon ab, wann sie die Anteile kauften. Investor Thiel dürfte prozentual den größten Gewinn gemacht haben: Er stieg schon im Jahr 2004 ein und investierte damals 500.000 Dollar.

  • Mitbegründer und Angestellte

    Facebook-Mitbegründer Dustin Moskovitz besitzt etwa sieben Prozent des Unternehmens. Ein weiterer Mitbegründer, Eduardo Saverin, hielt früher einen geschätzten Anteil von fünf Prozent, taucht aber in der Liste der wichtigsten Aktionäre nicht mehr auf. Saverin hat wahrscheinlich einen großen Teil seiner Aktien verkauft.

    Auch für viele der 3200 Facebook-Angestellten dürfte sich der Börsengang auszahlen, weil ihre Arbeit auch mit Aktienoptionen vergütet wird. Autohäuser, Immobilienmakler und Luxushändler im Silicon Valley reiben sich schon die Hände. Manche Facebook-Mitarbeiter wollen ins All fliegen. Andere planen archäologische Expeditionen zu Maya-Ruinen.

  • Familienmitglieder

    Aus dem Antrag für den Börsengang geht hervor, dass auch Verwandte von wichtigen Facebook-Managern großzügig mit Aktien bedacht wurden. So unterstützte Zuckerbergs Vater Edward die noch junge Firma in den Jahren 2004 und 2005 mit Geld und bekam eine Option zum Kauf von zwei Millionen Aktien. Die Frist zur Ausübung ließ er aber verstreichen. Im Dezember 2009 erhielt Edward Zuckerberg aber schließlich zwei Millionen Anteilsscheine von Facebook.

Im diametralen Gegensatz zum öffentlichen Hype senkten Konsortialbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley kurz vor dem Börsengang jedoch ihre Gewinnerwartungen für Facebook - ihre Bedenken wurden aber erst nach dem Börsendebüt öffentlich bekannt.

Da hatte Goldman Sachs lange zuvor erworbene Facebook-Aktien bereits für 923 Millionen Dollar verkauft - also zu Höchstkursen Kasse gemacht. Und Morgan Stanley hatte allein für die Vorbereitung des Börsengangs 100 Millionen Dollar eingestrichen.

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Schlimmer geht immer: Die Facebook-Aktie hat ein neues Rekordtief erreicht und fiel zweitweise unter 20 Dollar. Aktuell hält sie sich bei 20,03 Dollar, einem Minus von 47 Prozent seit Börsengang.

Vor dem Börsengang konnte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg noch lachen. Am 18. Mai 2012 war es dann so weit: Facebook ging an die Börse, mit einem Ausgabepreis von 38 Dollar. Doch der Börsengang entpuppte sich als Flop. Die Aktie kennt seitdem nur eine Richtung: abwärts.

Nach der ersten Bilanz Ende Juli als börsennotiertes Unternehmen ging es für die Aktie besonders stark nach unten. Die Aktie verlor an einem Tag rund 15 Prozent. Schockierender als die Bilanz des Unternehmens war der nebulöse Ausblick, der die Aktionäre verärgerte. An „Freunden“ Geld zu verdienen ist nun mal schwer.

Bild: dapd

Ein Unternehmenschef und seine Aktionäre müssen nicht immer der gleichen Meinung sein. „Wir wachen morgens nicht auf mit dem Primärziel, Geld zu verdienen", schrieb Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in einem Brief an seine Investoren im Februar 2012. Doch als diese vier Monate später aus ihren Betten stiegen, taten sie genau dies: Kasse machen, sobald es ging.

Peter Thiel, der acht Jahre zuvor 500.000 Dollar in Facebook investiert hatte, verkaufte 16,8 Millionen Aktien für 638 Millionen Dollar. Die US-Bank Goldman Sachs versilberte ihre Facebook-Aktien für 923 Millionen Dollar, der russische Investmentfonds DST Global erlöste 1,7 Milliarden Dollar, der US-Fonds Accel Partners kam sogar auf 2,1 Milliarden Dollar.

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Alle Verkäufe fanden in den ersten Tagen nach dem Börsengang statt - zu Kursen zwischen 36 und 45 Dollar. Am vergangenen Freitag schloss die Aktie bei 21,09 Dollar. Wussten die Investoren mehr als die Kleinanleger, die sich in den ersten Stunden geradezu euphorisch auf die Facebook-Aktie stürzten? Ja, sie wussten.

Anfang Mai, kurz vor der letzten großen Werbetour für den Börsengang, trafen sich die Analysten der Konsortialbanken, um ihre Einschätzungen der Geschäftsentwicklung von Facebook zu besprechen. Sie standen in engem Kontakt mit der Facebook- Führung - und alle kamen zu demselben Schluss: Facebook bereitet es Probleme, dass immer mehr Kunden seine Internetseite mit Mobiltelefonen aufriefen. Das schmälerte die Einnahmen, die mit Werbeanzeigen möglich waren. Die Analysten senkten ihre Erwartungen für Umsatz und Gewinn im kommenden Quartal und Jahr.

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Diese Erkenntnisse hielten die Banken geheim. Anstatt mögliche Investoren zu warnen, erhöhten sie die Einsätze.

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Zwischen dem ersten und dem 18. Mai 2012 drängte vor allem die in dem Deal führende Bank Morgan Stanley darauf, den Ausgabekurs für die Facebook-Aktie zu erhöhen. Statt der ursprünglich vorgesehenen Spanne von 28 bis 35 Dollar wurde der Rahmen nun von 34 bis 38 Dollar gesteckt. Gleichzeitig entschieden die Banken und das Unternehmen, mehr Aktien auszugeben als ursprünglich geplant. Die dritte Maßnahme: Die Akteure bereiteten ausgewählte Investoren darauf vor, sich früher und von mehr Aktien zu trennen als vorher besprochen.

Bis zum großen Coup brauchten sich die Beteiligten keine Sorgen um Verbündete zu machen. Die Frage, ob Facebook allen Ernstes 100 Milliarden Dollar wert sein kann, wurde von den vermeintlichen Experten einfach als gegenstandslos dargestellt. „Die Wahrheit ist, dass der Börsengang in Ordnung ist", schrieb das Magazin „Business Insider".

2004, als Google an die Börse ging, hat sich der Aktienkurs des Unternehmens in den ersten drei Monaten fast verdoppelt. Der Aktienkurs von Facebook hat sich halbiert.

Facebook

Und es erscheint fraglich, ob eine Ende der Talfahrt absehbar ist. Da inzwischen bekannt ist, wie Geheimwissen es ausgewählten Investoren ermöglichte, sich früh und überaus gewinnbringend von ihren Facebook-Aktien zu trennen, sind in den USA bereits zahlreiche juristische Klagen anhängig.

Darüber hinaus rückt jetzt der 16. August näher - jener Tag also, an dem die Haltefrist ausläuft und die Mitarbeiter von Facebook ihre Anteilsscheine verkaufen können. Dass inzwischen mit Bret Taylor, Katie Mitic, und Ethan Beard gleich drei wichtige Führungskräfte das Unternehmen verlassen haben, dürfte den Aktienkurs von Facebook jedenfalls nicht beflügeln.

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Ende vergangener Woche musste Facebook außerdem einräumen, dass sich hinter etwa 90 Millionen vermeintlicher Kunden gar keine Personen verbergen - sondern Seiten, die jemand für den Räuber Hotzenplotz, den Mafia-Paten Don Corleone oder seinen Hund eingerichtet hat. Für Nutzer mag dies amüsant sein. Auf Facebook werbende Unternehmen aber wissen, dass sich mit virtuellen Menschen schlecht Umsatz machen lässt.

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  • 26.08.2012, 09:31 UhrStubi

    @MatthiasDoll

    "leider gibt es nur wenig konstruktive oder sinnvolle Beiträge - schade!"

    Bitte sich nicht darueber beschweren, sondern einen hinzufuegen.

    Also mir faellt zu diesem Boersengang auch wenig Positives ein. Bin gerne bereit meinen geistigen Horizont aufzuhellen. Also ich bitte um Argumente, die mir helfen, meine negative Sicht zu mindern.

  • 26.08.2012, 09:23 UhrGast

    Stimme ihnen zu.
    Wenn sie aber Anlegern 7% oder die doppelte Rendite versprechen interessiert sich niemand für ihre Papiere.
    Sie müssen den Leuten 100% oder mehr Rendite versprechen! Dann können Sie sich vor gierigen Anlegern nicht mehr retten.
    So ist das. Der Mensch ist so. Das Geld haben diese Anleger einfach verdient und nun haben Sie es auch einfach verloren.
    Wer sein Geld hart verdient geht eben nicht ins Kasino!

  • 25.08.2012, 21:36 Uhrpedrobergerac

    Die Gier nach Geld schaltet eben immer wieder das Hirn aus.

    Ich habe mit niemanden Mitleid.

    Die Dummheit und das Universum..................

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