Facebook-Entwicklerkonferenz F8
Zuckerberg lässt das Internet verschwinden

Wer 1,4 Milliarden Nutzer hat, der braucht das Internet nicht mehr. Er ist das Internet. Facebook hat geschafft, wovon Google und Apple nur träumen können. Nun bastelt Zuckerberg am Masterplan für den Facebook Messenger.
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San FranciscoEs begann vor elf Jahren als studentischer Datingservice aus einer Studentenbude. Jetzt steht Facebook kurz davor, das Internet komplett zu übernehmen. Aus dem einfachen Web-Service ist eine Familie von Diensten mit Milliarden von Nutzern geworden. Facebook, WhatsApp, Instagram oder Facebook Messenger sind allesamt Giganten des Internets.

Der Chatdienst Facebook Messenger ist nun auserkoren, zur alles verbindenden Plattform für das Teilen von Informationen, Internet-Telefonie, Chats, Nachrichten, Bankgeschäfte und Online-Handel zu werden. Auf der Entwicklerkonferenz f8 in San Francisco verkündete Mitgründer und CEO Mark Zuckerberg die Öffnung der App für Programmierer von außerhalb. Jedes Unternehmen, jeder Softwareentwickler kann und soll sich einbringen.

Das ist ein Schritt zur Offenheit, wie er einst Apples iPhone samt Appstore und Googles Android zu Giganten gemacht hat. Das will Zuckerberg alles übertreffen und die Facebook-App samt Messenger wie eine gigantische Krake über das gesamte Internet stülpen.

Schon heute sind über 90 Prozent der Top-100-Apps auf Apples iOS und Googles Android-Plattform mit Facebook verwoben, so Zuckerberg. Bald wird jede App auf jedem Smartphone irgendwie mit dem Online-Giganten zusammenarbeiten. Die Facebook-App für Kurzmitteilungen nutzten bereits über 640 Millionen Menschen pro Monat weltweit.

Sie sei außerdem verantwortlich für gut zehn Prozent aller Internet-Telefonate weltweit. Ein Wert, der dem Konkurrenten Skype von Microsoft nicht gefallen dürfte, der aber attraktiv ist für jedes Unternehmen auf der Suche nach einem Massenpublikum.

Wer die Facebook-Familie auf seinem Smartphone installiert hat, wird dann gar nicht mehr merken, dass es noch eine Welt da draußen im Cyberspace gibt. „Der Sprung von einer einzelnen App zu einer Familie von Apps war unsere wichtigste strategische Weichenstellung überhaupt“, referierte der 30-Jährige in Jeans und T-Shirt mit einem geschätzten Privatvermögen von 35 Milliarden Dollar vor rund 2000 Software-Entwicklern in San Francisco. Erstmals erstreckt sich die Konferenz dieses Jahr über zwei Tage.

Das Ganze soll natürlich auch ein großes Geschäft werden. Man sei zusammengekommen, um darüber zu reden, wie man Apps für Facebook bauen und zu Geld machen könne, so Zuckerberg. Mit der „LiveRail adtech platform“, einem Dienst für Einbindung von Videowerbung, greift Facebook die dominierende Werbeplattform Doubleclick von Google an.

LiveRail adtech verbindet Videoinhalte auf fremden Webseiten oder mobilen Apps mit den rund zwei Millionen Facebook-Werbekunden weltweit. Einnahmen werden geteilt. Vergangenes Jahr, so die Marktforscher von eMarketer, kassierte Zuckerberg 17,4 Prozent der globalen Anzeigengelder im mobilen Internet ein, nach 16,4 Prozent im Jahr zuvor.

Anders sieht es bei Google aus: Der einst einsame Marktführer sackte von 46 Prozent auf 38,2 Prozent Marktanteil durch. Es ist die ungeschlagene Suche nach Stichworten in der Google Suchmaschine, die den Veteranen aus Mountain View noch an der Spitze hält.

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  • Ich habe kein FB und werde das auch in Zukunft so halten. Wer mit mir in Verbindung bleiben will, der kann mich anrufen, Briefe schreiben oder emailen. Herr Zuckerberg wird an mir keinen müden Cent verdienen!

  • Ich sag´s mal so: weder FB, noch App´s mit FB Vernetzung werden jemals den Weg auf meine Geräte finden. FB selbst will ich gar nicht so niedermachen; wenn Bekannte, Famile und Freunde über den gesamten Erdball verstreut sind mag das nützlich sein; aber die permanente FB-Hörigkeit und das 48 Stunden getippe am Tag geht einem doch echt auf den Zeiger; und auch in der Firma: würde ich das verbieten.
    Ich kann mir das nicht so wirklich vorstellen das die Nutzer dauerhaft als Ausspähversuchskaninchen herhalten wollen.

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