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„Facebook Home“: Facebook greift nach der mobilen Macht

Fast unsichtbar, und dennoch überall: Mit neuer Software soll jedes Android-Smartphone zu einem Facebook-Telefon werden – das erleichtert etwa zielgerichtete Werbung. Für den Erfolg braucht Facebook aber Unterstützung.

Facebook-Chef Zuckerberg: „Home“ soll das soziale Netzwerk auf die „Seele des Smartphones“ bringen, den Startbildschirm. Quelle: ap
Facebook-Chef Zuckerberg: „Home“ soll das soziale Netzwerk auf die „Seele des Smartphones“ bringen, den Startbildschirm. Quelle: ap

Menlo Park/New YorkViele neue Freunde für Android-Telefone: Am Donnerstag stellte das weltgrößte soziale Netzwerk eine neue Anwendung („App“) vor, die eine „Facebook-Ebene“ über alle Bereiche des Smartphones legt. Ist die Software einmal installiert, müssen Smartphone-Besitzer keine App mehr öffnen, um die wichtigsten Funktionen des Netzwerks nutzen zu können. Der Startbildschirm zeigt die wichtigsten Nachrichten von Facebook-Freunden an. Fotos und Videos können von überall her kommentiert oder „gemocht“ werden. Unterhaltungen mit Freunden können stattfinden, egal in welcher App man sich befindet.

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„Wir bauen kein Telefon und wir bauen kein Betriebssystem, aber wir bauen etwas, das deutlich tiefer geht als eine App“, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei der Präsentation der neuen Software, die „Facebook Home“ genannt wird. Die Software soll für US-Nutzer des führenden mobilen Betriebssystems Android ab 12. April verfügbar sein, und „bald danach“ für den Rest der Welt. In einigen Monaten soll auch eine Version für Tablets veröffentlicht werden.

Facebook in Zahlen

  • Transparenz dank Börsengang

    Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

  • Schon früh profitabel

    In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

  • Werbung als wichtigste Geldquelle

    Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

  • Beispielloses Wachstum

    Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

  • Zuckerberg hat die Kontrolle

    Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

  • Dominant in aller Welt

    Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

  • Keine Chance für StudiVZ

    Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

  • Riese Datenmengen

    Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Facebook will sich so im boomenden Mobilmarkt unverzichtbar machen: „Heute werden Handys um Apps herum aufgebaut, nicht um Menschen“, sagte Zuckerberg. „Wir wollen das ändern.“ Das Ziel sei, dass Handy-Hersteller das neue Facebook-Produkt vorinstallieren, so Zuckerberg. Er präsentierte zusammen mit dem Handyhersteller HTC gleich ein Beispiel.

Das neue Smartphone-Modell von HTC wird mit der Software ausgeliefert und in den USA zeitgleich eingeführt. US-Kunden können es für 100 Dollar beim Mobilfunkanbieter AT&T kaufen – die Hälfte des Preises der am weitesten verbreiteten Apple- und Samsung-Smartphones. In Europa kündigten die Unternehmen zunächst die Firma Orange als Mobilfunkpartner an.

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„Ich denke, das ist eine richtig große Geschichte für Facebook“, sagte Peter Corbett von der Marktforschungsfirma iStrategyLabs. Mehr als die Hälfte der mehr als eine Milliarde Mitglieder nutzen Facebook von einem mobilen Gerät. „Das ist die Zukunft von Facebook.“ Auch die Börse nahm die Nachricht positiv auf, die Aktie ging am späten Donnerstag mit einem Plus von 3,1 Prozent aus dem Handel.

Der Technologieexperte Trip Chowdhry von Global Equities Research sprach von einer „bahnbrechenden“ Software. „Facebook Home“ verändert den Startbildschirm von Smartphones und ersetzt eine Liste mit Apps durch die neuesten Nachrichten von Facebook-Freunden und den wichtigsten Funktionen des Netzwerks.

  • 05.04.2013, 13:50 UhrWolfsfreund

    "Glückwunsch, denn mit Facebook wurde wohl wirklich eine neue Zeit eingeläutet. "
    --------------------------
    Ja, die zeit der Totalbespitzelung. Wer sich eine FB-App auf's Handy zieht, dem ist nicht mehr zu helfen, das ist Dummheit pur, der hat nichts anderes verdient, als das sein gesamtes Privatleben im Web landet.
    Ich habe Facebook nicht ohne Grund auf meinem Rechner zu 100% mit Firewall- und ABE-Regeln geblockt, um z.B. solche Spione wie Freunde-Finder oder Like-Buttons (Cookie-Schleuder!) zu eliminieren resp. lahmzulegen.
    Wer braucht schon Facebook? Ich jedenfalls nicht!

  • 05.04.2013, 13:31 UhrHatschepsut

    Wer sich bei FB registriert oder ein solches Telefon kauft, ist es selbst schuld. Das FB eine unsägliche Datenkrake ist, ist bekannt.

    Komisch ist nur, das alle Gazetten drüber schimpfen, aber jeder bei FB registriert ist. Logik der Presse. Zuckerbubi hätte nie so groß werden können, wenn sich die Menschen verweigert hätten. Zeigt aber das dieser Planet nur mit Herdentieren ausgestattet ist. Alle haben es also muss man es auch haben.

  • 05.04.2013, 12:58 UhrGesichtwienBuch

    @pendler

    Wohl eher der erste offizielle Trojaner, der auch das Betriebssytem übernimmt in Sachen Telefonie. Was mich dann gleich über die Zulässigkeit in Deutschland sinieren lässt. Hierzulande erfolgt Zulassung der Hardware nur zusammen mit der Firmware. Das ist der Hauptgrund, warum sich kein Hersteller überhaupt um Updates schert...

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