Facebook Zuckerberg degradiert Inhalte von Unternehmen und Medien

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Jeff Jarvis mahnt Verantwortung an

„Missbrauch von Nutzerdaten“ – So vergrault man seine Freunde

„Missbrauch von Nutzerdaten“ – So vergrault man seine Freunde

Facebook-Manager Hegeman bestritt, dass die Änderungen zur sogenannten „Filterblase“ führen könnte – einer Situation, bei der ein Nutzer von Algorithmen nur Inhalte angezeigt bekommt, die zu seinen Ansichten passen. „Es stimmt zwar, dass die Leute mehr Freunde haben, die mit ihnen einer Meinung sind.“ Zugleich hätten aber die meisten Nutzer so viele Freunde bei dem Netzwerk, dass man unterm Strich verschiedenen Ansichten ausgesetzt sei.

Hegeman erklärte auch, hinter dem Schritt stecke kein Versuch, politische Kontroversen um Facebook-Inhalte zu entschärfen. „Nein, dahinter steckt keine politische Motivation.“ Das Online-Netzwerk war vor allem nach dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 für die Ausbreitung gefälschter Nachrichten auch über dubiose Facebook-Seiten kritisiert worden.

Zuckerberg sagte der „New York Times“ zugleich, dass die Diskussionen über Facebooks Verantwortung das Unternehmen veranlasst hätten, „einige der negativen Dinge, die im System passieren können, besser in Griff zu bekommen“. Er ergänzte, dass die Geburt seiner beiden Töchter seinen Blick auf Facebook und sein Vermächtnis verändert habe. „Es ist wichtig für mich, dass wenn Max und August aufwachsen, sie das Gefühl haben, dass das, was ihr Vater aufgebaut hat, gut für die Welt war.“

Zuckerbergs Pläne sind aber auf erste Kritik gestoßen. Facebook habe sich zu einem wichtigen Lieferanten von Nachrichten und Informationen für die Nutzer entwickelt, schreibt der US-amerikanische Journalistik-Professor Jeff Jarvis in einem Blog-Beitrag. Facebook könne seine Verantwortung nicht einfach aufkündigen, die die Plattform als wichtiger Lieferant von Nachrichten und Informationen in der Gesellschaft inzwischen eingenommen habe. Es sei zu befürchten, dass die ursprünglichen Sorgen von Medien-Unternehmen wahr würden, dass ihnen der Teppich unter den Füßen weggezogen werde.

Er sei zuversichtlich, dass Facebooks Bemühungen, sinnvolle Interaktionen fördern zu wollen, letztlich „zu mehr Höflichkeit in unseren Gesprächen führen könnte, die die Gesellschaft dringend braucht“, schreibt Jarvis. „Die Frage ist: Wird Facebook Höflichkeit, Intelligenz und Glaubwürdigkeit oder bloße Konversation schätzen und messen?“ Es sei bekannt, was allein das Gespräch bringe: „Kommentare und Trolle“. Er würde sich wünschen, dass Facebook die Qualität von Nachrichten befördern werde. Facebook dürfe das „journalistische Baby“ nicht mit dem Badewasser ausschütten, sondern müsse hochwertige Inhalte erkennen und wertschätzen.

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die Facebook-Pläne kritisiert. „Ich halte die Facebook-Maßnahme für problematisch“, sagte Sprecher Hendrik Zörner der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. „Facebook ist als Kommunikationsmedium von hohem Stellenwert und hoher Bedeutung. Aber das eigene Kommunikationsspektrum auf den Gute-Laune-Bär zu reduzieren, geht an der Bedeutung von Facebook und der Kommunikation von Menschen schlechthin vorbei.“

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  • dpa
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