Facebook knickt ein
Dragqueens dürfen Künstlernamen behalten

„Sister Roma“ oder Michael Williams? Facebook will nicht, dass sich Mitglieder mit einem Pseudonym anmelden – und ist darüber mit Travestiekünstlern in Streit geraten. Nun will der Konzern doch eine Ausnahme machen.
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DüsseldorfFacebook entschuldigt sich. Weil das Unternehmen kürzlich von mehreren Dragqueens und -kings gefordert hatte, sich mit ihren richtigen Namen anzumelden, haben die in den USA bekannte Olivia La Garce und andere Travestiekünstler eine Petition gegen die Klarnamenpolitik gestartet und mehr als 22.000 Unterstützer gewonnen. Jetzt gibt das Unternehmen nach und leistet Abbitte.

Er habe in den vergangenen zwei Wochen mit vielen Leuten aus der Drag-Szene sprechen können, erklärte Facebook-Produktchef Chris Cox – also jener Szene, in der Menschen andersgeschlechtliche Kleidung tragen. Facebook habe die Ansicht der Betroffenen nachvollziehen können. „Wir verstehen auch, wie schmerzhaft das gewesen sein muss“, schreibt Cox.

Mitte September hatte Facebook damit gedroht, die Profile von Künstlern wie Olivia La Garce, Sister Roma oder Heklina zu löschen, wenn diese sich innerhalb vierzehn Tagen nicht mit ihrem richtigen Namen melden würden. Bei Sister Roma wäre das beispielsweise Michael Williams.

Als Kompromiss schlug das US-Netzwerk damals vor, die Dragqueens könnten Fanseiten erstellen, auf denen sie ihre Künstlernamen verwenden dürften. Das lehnten die Künstler aber ab. La Garce sagte: „Unsere selbstgewählten Namen sind Teil unserer Identität. Wir haben damit unsere Netzwerke und Fangemeinden aufgebaut. Wenn wir das jetzt ändern, gebe es nichts als Verwirrung.“ Es gehe also genauso um ihre Persönlichkeit wie um ihren Ruf.

Facebook knickt nun ein und erlaubt den Künstlern, wieder mit ihren Pseudonymen auf der sozialen Plattform aufzutreten. Cox schreibt: „Wir werden die Politik der Klarnamenpflicht aktualisieren damit jeder, der davon betroffen ist, mit seinem alten Namen zu Facebook zurückkehren kann“ – für ein besseres „Facebook-Erlebnis“, wie es weiter heißt.

Cox betont aber auch, warum Facebook schon seit Jahren so verfährt: „Wir müssen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt vor Schaden schützen.“ Echte Namen, so das Credo bei Facebook, sorgen für einen zivilisierteren Umgangston.

Ein Grund für das Entgegenkommen des Milliarden-Konzerns könnte der Wechsel vieler Mitglieder der schwul-lesbischen Community zu dem neuen sozialen Netzwerk Ello sein. Ello gibt es seit März 2014 und will – wie so viele andere Plattformen auch – Facebook Konkurrenz machen. Warum die Dragqueens ausgerechnet dieses Netzwerk ausgewählt haben, ist unklar; vielleicht, weil Ello von Anfang an darauf verzichtet, seine Nutzer zu Klarnamen zu verpflichten.

Annika Reinert
Laura Waßermann
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

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