Facebook-Tochter Whatsapp
30 Milliarden Nachrichten am Tag

Die Diskussionen um mangelnde Sicherheit haben dem Chat-Dienst WhatsApp nicht geschadet. Nach eigenen Angaben hat die Facebook-Tochter mittlerweile 700 Millionen Nutzer - und schreibt trotzdem keinen Gewinn.
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DüsseldorfDie milliardenschwere Investition von Facebook-Chef Mark Zuckerberg in die Chat-App Whatsapp trägt erste Früchte. Im Februar hatte er den erfolgreichen Konkurrenten für fast 22 Milliarden Dollar übernommen. Erklärtes Ziel: Rasantes Wachstum.

Das scheint gelungen zu sein. Auf seiner Facebook-Seite nennt WhatsApp-Gründer Jan Koum weitere Erfolgszahlen. Mittlerweile werde der Dienst regelmäßig von 700 Millionen Menschen verwendet. Pro Tag würden 30 Milliarden Nachrichten verschickt. Damit ist WhatsApp weiterhin größer als der hauseigene Facebook Messenger, der nach eigenen Angaben auf 500 Millionen Nutzer kommt.

Im vergangenen Jahr war Whatsapp wegen Sicherheitsbedenken in die Kritik geraten. Konkurrenten mit einer Komplettverschlüsselung wie Threema erhielten großen Zulauf. Mittlerweile hat man beim Marktführer auf die Kritik reagiert. Zumindest in der Android-App sollen die Nachrichten künftig auch verschlüsselt werden, dafür arbeitet die App mit den bekannten Verschlüsselungs-Spezialisten von Open Whisper Systems zusammen. Dem weiteren Wachstum scheint damit wenig im Wege zu stehen.

Doch trotz des starken Nutzerzuspruchs schreibt WhatsApp weiterhin Verluste. Im ersten Halbjahr kam WhatsApp auf lediglich 15,3 Millionen Dollar (zwölf Millionen Euro) Umsatz. Unterm Strich steht ein Verlust von 232,3 Millionen Dollar, was aber zum größten Teil aus Aktienoptionen für die Mitarbeiter resultiert.

Die Kosten für den Geschäftsbetrieb waren im ersten Halbjahr mit 13,5 Millionen Dollar überschaubar. Allerdings verbuchte Whatsapp 206,5 Millionen Dollar für aktienbasierte Vergütungen und die Ausgabe von Anteilen. Offenbar nutzte das Start-up diese Möglichkeit, um Mitarbeiter anzulocken.

Whatsapp ist werbefrei, das Unternehmen verdient an einem Jahresbeitrag von 99 Cent, der nach dem ersten, kostenlosen Jahr fällig wird. Auf Werbung will man weiterhin verzichten. Es gibt darum wenig Anlass zur Hoffnung, das WhatsApp den gezahlten Kaufpreis schnell wieder einspielen könnte.

Das weiß man auch bei Facebook: Die Nutzerbasis taxierte der Konzern auf rund zwei Milliarden Dollar, die Marke auf 450 Millionen Dollar und die Technologie auf 290 Millionen Dollar. Mit 15,3 Milliarden Dollar wird ein Großteil des Kaufpreises als Goodwill verbucht – diese Position taucht in der Bilanz auf, wenn bei einer Übernahme mehr gezahlt wird, als das Vermögen der Tochter wert ist. Facebook rechtfertigt diese hohe Summe mit zukünftigem Wachstum.

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