Facebook und die Fake-News
Gegen die Märchenerzähler

Facebook sagt den Falschmeldungen auf seiner Plattform den Kampf an und will mit Journalisten diese als solche kennzeichnen. Doch viele Experten sehen den Vorstoß kritisch und fordern weitergehende Maßnahmen.
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DüsseldorfSheryl Sandberg ist sich sicher: Facebook übernimmt Verantwortung im Kampf gegen die Fake-News. Wie zum Beispiel mit dem ins Leben gerufenen Journalismus-Projekt, bei dem Facebook mit Medienunternehmen neue Möglichkeiten des Journalismus entwickeln will. Der Kampf gegen Fake-News, er wird auch mit einem Mehr an Qualität gewonnen. Und noch eine weitere Maßnahme soll diese Verantwortung kennzeichnen: In Deutschland will das soziale Netzwerk jetzt eine Meldemöglichkeit für Falschmeldungen einführen und mit dem Recherchezentrum „Correctiv“ zusammen arbeiten.

Das tut Not: In den Vereinigten Staaten sind sich viele Experten einig, dass Falschmeldungen und Halbwahrheiten die Stimmung für Donald Trump beeinflusst haben. Noch scheint das Thema kein großes Problem in Deutschland, doch die Gefahr besteht. Das sagt auch Bundeswahlleiter Dieter Sarreither in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: Darin warnt er vor sogenannten Fake-News. Seiner Einschätzung zufolge könnten die sogar am Wahltag eine Rolle spielen, wenn zum Beispiel gemeldet würde, dass bestimmte Wahllokale geschlossen seien.

Falschmeldungen wie diesen will Sarreither „öffentlichkeitswirksam schnell entgegenwirken“. Und auch Facebook erkennt nun endlich seine Verantwortung und hat am Wochenende ein neues Verfahren vorgestellt: Wird eine Meldung als Falschnachricht von den Nutzern erkannt, wird das Recherchenetzwerk „Correctiv“ eine inhaltliche Prüfung vornehmen. Wird die Nachricht als falsch enttarnt, erhält sie einen entsprechenden Hinweis. Vielen Experten ist das noch nicht genug.

Für Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg aber ist klar: „Wir wollen nicht entscheiden, was die Wahrheit ist. Sie Und ich glaube, niemand will, dass wir das tun.“ Also müsse man mit Dritten zusammenarbeiten, die Experten sind - mit dem gerade verkündeten Facebook Journalismus Projekt zum Beispiel. „Wenn wir sagen, dass wir das nicht selber übernehmen können, bedeutet das aber nicht, dass wir keine Verantwortung übernehmen wollen. Wir übernehmen Verantwortung“, sagte Sandberg in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung.

In Bezug auf Hasskommentare meint Sandberg zudem, dass man sich an deutsches Recht halten würde. Wenn über illegale Inhalte Kenntnis erlangt würde, werden diese gelöscht: „ Aber unterhalb dieser Schwelle ist es eine gesellschaftliche Herausforderung, die nur gemeinsam von Unternehmen, Politikern und der Zivilgesellschaft gelöst werden kann“, so Sandberg weiter. In diese Maßnahme passt auch die Zusammenarbeit mit „Correctiv“.

Die Kooperation kann aber nicht die einzige sein. Das findet auch „Correctiv“-Leiter David Schraven und schreibt in einem Facebook-Beitrag: „Wir sind davon überzeugt, dass dieser Ansatz alleine nicht ausreicht, Fake News nachhaltig zu bekämpfen. Es müssen viele verschiedene Ansätze gefunden werden.“ Das ganze Projekt sieht er zudem als einen Betatest.

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  • Das Vorhaben ist hochproblematisch - mich wundert es nicht , dass die etablierten Parteien und die staatskohärente Medienlandschaft nicht protestieren. Wären sie doch die größten Profiteure einer solchen Einflussnahme auf die freie Meinungsäußerung. Fake-News - was soll das sein? Und wer bestimmt eigentlich was Fake ist und was nicht? Was Wahrheit ist und was nicht? Was Hate-Speech ist und was nicht? Hier wird mit Macht ein System der Meinungskontrolle an unsere Verfassung vorbei installiert. Homöopathie ist Fake (Wirksamkeit ist in keiner klinischen Studie bewiesen worden) - darf man darüber nicht mehr berichten? Zu jeder Studie gibt es eine Gegenstudie - welche ist nun Fake und wer bestimmt das? "Corrective" wird von der Augsteinstiftung gefördert - sind die politisch neutral? Übrigens gab und gibt es in jeder Diktatur ein "Wahrheitsministerium" die sich dem Kampf gegen "staatszersetzender Desinformation" verschrieben haben . Die etablierten Parteien mißtrauen dem eigenen Souverän und sehen mit Angst ihre Felle wegschwimmen. Anstatt dem neuen Pluralismus politisch zu begegnen wird ein Meinungsrepressionsapparat aufgebaut. Wirkliche Größe zeigt sich in der sachlichen, politischen Auseinandersetzung und der demokratischen Gewissheit , dass alle Macht vom Volk ausgehen muss. Man sollte ihm vertrauen.

  • @Ebsel

    die "Grünen" würden nur aufjaulen, wenn Seiten wie indymedia.org, auf denen offen zu Terror und Gewalt gegen Andersdenkende aufgerufen wird, gesperrt würden.

    Solange es "gegen Rechts" geht, ist alles i.O.

  • folgendeM Spruch :(

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