Facebook und Internet.org
Indiens Aufstand gegen Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg wird nicht müde, sein Lieblingsprojekt „Internet.org“ voranzutreiben. Er will das Internet den Menschen zugänglich machen, die noch keinen Zugriff haben. Doch in Indien schlägt Zuckerberg Wut entgegen.
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Düsseldorf, San Francisco, BangkokEs ist das Vorzeigeprojekt von Mark Zuckerberg. Um so ärgerlicher ist es für den Facebook-Gründer, dass sein Wohltätigkeitsprojekt Internet.org jetzt in Indien mitten im Zentrum eines mit Wut ausgetragenen Kampfs um Netzneutralität steht. Das Grundprinzip, dass alle Nutzer gleichberechtigten Zugang zum Internet und all seinen Inhalten bekommen sollen, wird bei Internet.org in Frage gestellt. Dabei ist Indien der größte Zukunftsmarkt für Zuckerbergs Milliardenimperium Facebook.

Kritiker werfen ihm auf dem Subkontinent aber vor, mit einer Handvoll privilegierter Partner in Indien auf Kosten der Ärmsten gute Geschäfte machen zu wollen. Zuckerberg weist das entschieden zurück. Doch der Imageschaden ist da.

Das Projekt soll helfen, jene Menschen zu vernetzen, die bislang keinen Zugang zum Internet haben. Ihnen mangele es oft nicht an der Verbindung, meint Zuckerberg – vielmehr seien die Geräte wie auch die Verträge häufig zu teuer. Hier setzt Internet.org an: Nutzer bekommen einige Apps kostenlos, etwa Wikipedia, Gesundheitsinformationen und natürlich das soziale Netzwerk. Bisher ist das Angebot in sechs Ländern verfügbar, seit Februar auch in Indien.

Damit bietet Facebook jedoch ein selektives Abbild des Internet. So ist beim Projekt in Indien Google nicht dabei, mächtiger Gegner von Facebook und weltgrößte Suchmaschine. Soziale Netzwerke sind nur durch Facebook und seinen hauseigenen Facebook Messenger vertreten. Letzteren plant Zuckerberg zur gewaltigen Plattform für E-Commerce auszubauen. Insgesamt können Nutzer beim indischen Internet.org weniger als 40 Seiten gratis nutzen. Zugänglich ist die App zudem nur, wenn ein Mobilfunkvertrag mit dem indischen Anbieter Reliance Communications abgeschlossen wird.

Kritiker befürchten, dass Facebook unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe so seine Marktmacht ausbauen will – und das Internet zu seinen Gunsten zerstückelt. „Mark Zuckerberg sagt, er möchte etwas für die ganze Welt tun. Dabei geht es hier um eine Geschäftsstrategie”, sagt Mahesh Murthy, ein bekannter Start-Up-Investor und Mitgründer des digitalen Marketingunternehmens Pinstorm, dem Handelsblatt. Die Initiativen von Facebook würden damit gegen das Prinzip der Netzneutralität verstoßen. Verschiedene Initiativen haben bereits Hunderttausende von Unterstützern mobilisieren können, welche die Regierung in Briefen und Unterschriften auffordern, die Netzneutralität zu schützen.

In der Wirtschaft finden die Proteste Gehör: Der öffentliche Druck hat einige Facebook-Partner wie das Medienunternehmen NDTV zum Rückzug veranlasst. Die indische Times-Gruppe, größter Medienkonzern im Land, stellt ebenfalls einen Teil ihrer Dienste ein und fordert Konkurrenten auf, sich ebenfalls von beiden Plattformen zurückzuziehen. Auch die Reiseseite cleartrip.com hat sich von dem Projekt verabschiedet und sagt jetzt, man habe es ursprünglich ja nur gut gemeint.

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Indiens Aufstand gegen Mark Zuckerberg

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Unterschied zwischen Internet und Facebook verschwimmt

Kommentare zu " Facebook und Internet.org: Indiens Aufstand gegen Mark Zuckerberg"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ganz toll, da stellt ein Unternehmen ein kostenloses Informationsnetzt bereit das den Grundstein für eine rasche informationstechnische Entwicklung liefert und als massentaugliche Grundlage für weitere Bildungs- und Entwicklungsprojekte dienen kann. Und was ließt man in den Kommentaren? In einer totalitären Autokratie braucht mans schließlich auch nicht oder man soll erstmal Häuser bauen.... Infrastruktur, moderne Landwirtschaft, medizinische Versorgung usw. sowas fällt doch nicht vom Himmel, dafür braucht es ökonomische Grundlagen und wirtschaftliche Fortschritte....

  • Wer schon einmal in Indien war, der weis, die Inder brauchen saubere Unterkünfte für alle, sauberes Wasser für alle, genug zu essen für alle,
    Danach - aber wirklich erst danach sollte Internet für alle überhaupt angedacht werden...

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