IT + Medien
Facebook und Twitter kämpfen um den Super-Bowl

Wenn am Sonntag der Superbowl, eines der größten Sportereignisse der Welt, anläuft, kämpfen Twitter und Facebook um die Vorherrschaft auf dem „second screen“. Das Ganze ist nur ein Vorgeschmack für die WM in Brasilien.
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San FranciscoWenn am Sonntag beim Superbowl die gepanzerten Hünen des American Football aufeinander krachen, tragen parallel im Internet die beiden Giganten der sozialen Netzwerke ein anderes Duell aus. Facebook und Twitter kämpfen in diesem Jahr so hart wie noch nie um die Vorherrschaft auf dem „zweiten Bildschirm“ - den Smartphones, Tablets und Laptops. Über diese schicken die Zuschauer ihre Kommentare an ihre Freunde, wenn nicht gleich an die ganze Welt. Dabei geht es bei dem „Social Superbowl“ nicht nur darum, ein Stück des milliardenschweren amerikanischen Werbemarktes zu ergattern. Das Endspiel zwischen den Denver Broncos und den Seattle Seahawks ist auch eine Blaupause für Online-Werbung bei den Olympischen Winterspielen in Russland und der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien.

Die Begeisterung der Werbeindustrie für den „second screen“ ist der massenhaften Verbreitung der tragbaren Elektronikgeräte geschuldet. Einer Studie des Nielsen-Instituts vom Juni zufolge hat die Hälfte der amerikanischen Smartphone- und Tablet-Besitzer das Gerät auch vor dem Fernseher in der Hand.

Der Aha-Moment für die Branche kam beim Superbowl im vergangenen Jahr, als wegen eines Stromausfalls im Stadion das Spiel für 30 Minuten unterbrochen wurde. Die Zahl der Twitter-Botschaften schoss auf mehr als 230.000 pro Minute an. Die Werbeleute von Oreo schalteten schnell und nutzten leichtfüßig die Gelegenheit für den Hinweis, dass man selbst im Dunklen noch einen ihrer Kekse in Milch tunken könne. Der Tweet verbreitete sich sofort 15.000 Mal. Das Süße daran: Für diese Werbung musste das Unternehmen keine Millionen zahlen, die üblicherweise für einen 30-Sekunden-Fernsehspot fällig sind.

Jetzt wollen alle. Der Sender Fox Sports, der den Superbowl in diesem Jahr überträgt, hat entsprechend sein Programm angepasst. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand das Spiel guckt, ohne ein zweites Gerät in der Hand zu halten“, sagt ein Fox-Sprecher. „Wir ziehen das Erlebnis Superbowl entsprechend auf.“ Um wie Oreo die Gunst der Stunde nutzen zu können, haben andere Firmen „war rooms“ eingerichtet, echte oder virtuelle Räume, in denen Werbestrategen und Twitter-Taktiker auf eine Gelegenheit lauern. „Wir wissen nicht, was passieren wird“, sagt ein Sprecher des US-Joghurt-Herstellers Dannon, der sechs bis zehn Mitarbeiter aufs Internet-Feld schickt. „Aber wir wollen ein Team haben, das bereit ist.“

Bislang ist Twitter der Sieger beim Kampf um den zweiten Bildschirm, ob es um Sport, Reden des Präsidenten oder die Oscars geht. In diesem Jahr arbeitet der Dienst mit den 140-Zeichen-Meldungen mit der NFL zusammen, dem amerikanischen Football-Verband. Die Führung über Facebook war im vergangenen Jahr erdrückend, und zwar nicht nur bei den Zuschauern. Einer Studie von Marketing Land zufolge wurde Twitter in 26 der 52 landesweiten TV-Werbespots erwähnt, die 2013 während des Superbowls ausgestrahlt wurden. Facebook kam gerade sechs Mal vor.

Allerdings hat das größte Soziale Netzwerk der Welt in den vergangenen Monaten nachgelegt. Es geht zusammen mit Fox ins Rennen und dem Ziel, sich als eine Art virtuelle Sports Bar zu positionieren, wo die Fans gemeinsam abhängen können. Facebook kann bereits Erfolge vorweisen: Als Verteidiger Richard Sherman von den Seahawks vor einigen Tagen ein wütendes Fernsehinterview vom Spielfeldrand gab, beteiligten sich 4,4 Millionen Nutzer des Dienstes drei Tage lang an der Diskussion über seinen Ausraster.

Experten gehen davon aus, dass der Kampf der Internet-Giganten auch nach Sonntag lange nicht ausgestanden sein wird. Zwar biete Twitter bessere Möglichkeiten für Echtzeit-Gespräche, sagt Marken-Direktor Quinn Kilbury von der Brauerei Newcastle Brown Ale. Er weist allerdings auf die größere Nutzerzahl von Facebook hin, die mit 1,2 Milliarden das Fünffache der Twitter-Basis beträgt. „Facebook holt schnell auf - und niemand ist so groß wie sie.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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