Facebook-Zahlen: Zuckerbergs kühne Wetten

Facebook-Zahlen
Zuckerbergs kühne Wetten

Die Werbemaschine Facebook läuft auf Hochtouren: Der Netzwerk-Konzern wächst rasant und übertrifft die Erwartungen der Anleger. Für die Zukunft geht Firmenchef Mark Zuckerberg jedoch einige teure Wetten ein.
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Düsseldorf/Menlo ParkWenn Mark Zuckerberg über die Zukunft von Facebook redet, befasst er sich nicht lange mit dem nächsten Quartal. Er redet lieber über seine Pläne für drei, fünf oder gar zehn Jahre. „Das nächste Jahrzehnt wollen wir nutzen, um die gesamte Welt zu vernetzen“, sagte der Gründer und Chef des sozialen Netzwerks am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen.

Der Messenger Whatsapp und die Datenbrille Oculus Rift stehen für diese Zukunft, aber auch das Projekt Internet.org, das unvernetzte Menschen in Schwellenländern zu Nutzern machen soll. Der Konzern habe 2014 große Einsätze auf die nächste Generation der Computer-Plattformen gemacht, erklärte Zuckerberg. Was der 30-Jährige nicht so deutlich sagte: Diese Visionen sind teuer. Im vierten Quartal nahm Facebook zwar deutlich mehr ein, gab allerdings auch deutlich mehr aus. Anleger werden auch künftig in Kauf nehmen müssen, dass Facebook Größe über Gewinn stellt.

Der Konzern übertraf mit seinen Zahlen schon in den Quartalen zuvor die Erwartungen. Der Umsatz stieg um üppige 49 Prozent auf 3,85 Milliarden Dollar, der Nettogewinn um 20 Prozent auf 700 Millionen Dollar. Im gesamten Geschäftsjahr machte Facebook 12,5 Milliarden Dollar Umsatz und übersprang damit erstmals die magische Zehn-Milliarden-Marke. Die Werbeverkaufsmaschine läuft wie geölt und auf Hochtouren.

Vor allem die Anzeigen auf mobilen Geräten sind gefragt, sie spielen mittlerweile mehr als zwei Drittel (69 Prozent) des Umsatzes ein. Beim Börsengang im Mai 2012 lag dieser Wert nahe null – ein bemerkenswerter strategischer Schwenk.

Allerdings ist die Aktie des Unternehmens mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 70 bereits äußerst hoch bewertet. Das Papier ist daher so etwas wie ein Wettschein: Wer es hält, setzt darauf, dass das soziale Netzwerk auch weiter so schnell wachsen kann. Die aktuellen Zahlen lassen die Anleger zumindest hoffen, der Kurs legte nachbörslich leicht zu.

Das Management kann sich nicht einfach darauf verlassen, dass mehr Leute zu Facebook kommen. Denn im Kerngeschäft mit dem sozialen Netzwerk wird es für den Marktführer immer schwieriger, weiter zu wachsen. Das ist dem Gesetz der großen Zahl geschuldet: Inzwischen sind 1,39 Milliarden Internet-Nutzer angemeldet. In der westlichen Welt, wo das Unternehmen den Großteil der Einnahmen verdient, lässt sich kaum noch Kundschaft hinzugewinnen.

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