Der Fach- und Wissenschaftsverlag Springer Business + Science erwartet einen Umsatz- und Gewinnschub durch sein Asiengeschäft. „2005 werden wir schneller als der Markt wachsen“, sagte Derk Haank, Chef des weltweit zweitgrößten Fachverlagskonzern. Vor allem die indische Tochter mit hohen Wachstumsraten macht dem Konzern Freude. Dort stellte Springer 600 Akademiker ein, die dort englischsprachige Wissenschaftsmagazine betreuen.
HB BERLIN.Derzeit beschäftigt Springer 1 200 Mitarbeiter in Indien. Das sind bereits rund ein Viertel der Belegschaft.
Springer Business + Science gibt sich derzeit ausgesprochen optimistisch. Konzernchef Haank versprach gestern in Berlin für die gesamte Gruppe ein Wachstum zwischen vier und fünf Prozent in diesem Jahr. Der Umsatz soll 2005 auf rund 820 Mill. Euro steigen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lagen die Erlöse bei 783 Mill. Euro. Derzeit wird noch zwei Drittel des Umsatzes in USA und Europa gemacht. Größter Markt in Asien ist Japan. Zu Gewinnen macht das Unternehmen traditionell keine Angaben. Haank sagte nur: „Wir sind von einer Ebita-Rendite von unter 20 Prozentauf auf über 20 Prozent gewachsen.“ Die Netto-Verschuldung beläuft sich nach Unternehmensangaben auf das Sechsfache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita).
Die Fach- und Wissenschaftsverlage gelten in der Printbranche als Ertragsperlen. Die weltweite Nummer Eins, Reed Elsevier, erwirtschaftete im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von sieben Mrd. Euro einen Gewinn nach Steuern von rund einer Mrd. Euro. Im Gegensatz zu Verlagen mit Publikumszeitschriften und Zeitungen spielt das konjunkturanfällige Anzeigengeschäft nur einen kleine Nebenrolle. Denn Wissenschaftsmagazine finanzieren sich aus dem Abonnement.
Der frühere Reed-Elsevier-Manager Haank war bisher vor allem damit beschäftigt, die Kosten zu drücken. Insgesamt strich der Fachverlagsriese 300 Stellen, davon 100 Arbeitsplätze in Deutschland. Der Wissenschaftsverlag, der nichts mit dem „Bild“-Zeitungskonzern Axel Springer AG zu tun hat, ist hier zu Lande in Heidelberg und Berlin präsent. „Wir haben die Restrukturierungsphase abgeschlossen“, sagte Haank gestern.
Nun will der 52jährige Niederländer einen strammen Wachstumskurs fahren. Ein Teil der Einsparungen soll nach für Neuinvestitionen verwendet werden. Springer setzt vor allem auf organisches Wachstum. Die Verlagsgruppe hält aber auch Ausschau nach Kaufobjekten. „Es wird in Deutschland eine Konsolidierung geben, aber wir werden sie nicht vorantreiben“, so der CEO. Springer hatte allein in diesem Jahr 36 neue Zeitschriften gegründet und 31 Fach- und Wissenschaftsblätter weltweit übernommen. Zuletzt hatte das Medienunternehmen eine Reihe von kleineren Verlagen in den Niederlanden gekauft. Die Zahl der Fachjournale soll bis nächstes Jahr um 150 Titel wachsen.
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Das bisherige Wachstum des Konzerns, der 2004 aus der Fusion von Springer mit in den Niederlanden beheimateten Kluwer Academic Publishers hervorgegangen ist, reicht offenbar aber noch nicht aus, um das Unternehmen an die Börse zu bringen. Springer schiebt die Börsenpläne nun auf die lange Bank. „Es gibt noch keine Pläne für einen Börsengang“, sagte Haank gestern. Zuletzt gab es Irritationen, um der Fachverlag nicht bereits im nächsten Jahr einen IPO wagt. Colin Buffin, Geschäftsführer des Springer-Großaktionärs Candover sagte: „Ein IPO ist der wahrscheinlichste Ausstiegsweg." Das Private-Equity-Haus hat zusammen mit dem Finanzinvestor Cinven vor zweieinhalb Jahren den Konzern für 1,05 Mrd. Euro von Bertelsmann übernommen. Im Gütersloher gibt es Stimmen, die den Verkaufs des Fachverlags bedauern. „Angesichts der Rendite war die Veräußerung von Bertelsmann-Springer ein strategischer Fehler“, sagte ein Insider. Bertelsmann-Chef Gunter Thielen verkaufte die Verlagsgruppe damals, um Schulden zu senken.
Globale Geschäfte
Imperium: Springer Business + Science beschäftigt 5 000 Mitarbeiter in 70 Verlagen in 19 Ländern. Das Unternehmen verlegt 1 450 Zeitschriften (Ärzte Zeitung, Bauwelt, Platow Brief) und jährlich 5 000 neue Bücher. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind Medizin, Wirtschaft, Technik, Architektur, Bau und Verkehr.
Historie: Das Unternehmen zählt zu den ältesten Verlagen der Welt. Der wissenschaftliche Springer-Verlag wurde 1842 in Berlin gegründet. 1999 übernahm Bertelsmann die Mehrheit. Europas größter Medienkonzern verkaufte Springer vor zwei Jahren an Cinven und Candover. Die Finanzinvestoren halten jeweils 45 Prozent der Anteile. Zehn Prozent besitzt das Management.

