Fairphone-Gründer: „Mit sieben Leuten das System ändern“

Fairphone-Gründer
„Mit sieben Leuten das System ändern“

Bas van Abel will die Elektronikbranche umkrempeln: Er hat ein Startup gegründet, das Handys unter fairen Bedingungen herstellen soll. Damit will er Samsung, Apple und Co ein Vorbild sein, wie er im Interview erklärt.
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Handelsblatt Online: Warum ist es so schwierig, ein Smartphone unter fairen Bedingungen herzustellen?

Bas van Abel: Die Lieferkette der Elektronikbranche ist so komplex, dass sie niemand komplett versteht. Viele Firmen in vielen Ländern sind daran beteiligt – von der Gewinnung der Erze bis zur Herstellung. Das hat mit der globalen Arbeitsteilung in unserer industriellen Welt zu tun. Hinzu kommt der Preisdruck, unter dem die Hersteller stehen.

Wie wollen Sie für Veränderungen sorgen?

Die einzige Möglichkeit, das System zu verändern, besteht darin, ein Teil davon zu werden. Die großen Firmen sprechen zwar auch davon, dass es nicht nur um den Profit geht, sondern auch um Menschen und den Planten. Aber die meisten wurden nicht gegründet, um eine soziale Mission zu erfüllen. Das ist bei uns anders, das Soziale steht im Mittelpunkt. Wir nutzen den Profit, um ökonomisch nachhaltig zu sein und einen Systemwandel zu ermöglichen.

Wenn die Lieferkette so komplex: Wie wollen Sie das Problem konkret lösen?

Wir arbeiten daran, bei den problematischen Metallen eine saubere und transparente Lieferkette aufzubauen. Bei Zinn, Tantal, Gold, Silber und Platin ist uns das schon gelungen. Für Wolfram haben wir noch keine Lösung, wir haben kürzlich Minen in Ruanda besucht und suchen jetzt nach einem Kooperationspartner. Wir bauen also kein 100%ig faires Smartphone.

Ist das überhaupt möglich?

Es wird nie möglich sein, ein Smartphone komplett fair herzustellen. Das fängt schon damit an, dass jeder unter Fairness etwas anderes versteht, es gibt etwa unterschiedliche Standpunkte in Europa und China. Aber wir müssen die Diskussion darüber anfangen!

Sie wollen zunächst 10.000 Fairphones bauen. Ändern die Minen und Fabriken denn für so kleine Mengen ihre Produktionsweise?

Es ist gar nicht so leicht, dafür Partner zu finden, am ehesten machen kleine Unternehmen mit. Aber wenn sie in der Lage sind, Produkte fair herzustellen, können sie vielleicht Aufträge von den Großen gewinnen. Für uns ist das allerdings ein Dilemma: Die kleinen Fabriken in China haben wahrscheinlich nicht so gute Arbeitsbedingungen wie die großen, wo Apple und Samsung Druck machen. Aber dort können wir auch leichter Veränderungen bewirken.

Der Druck in der Smartphone-Branche ist hoch. Wie wollen Sie mit Riesen wie Apple und Samsung mithalten?

Bislang haben die Verbraucher keine Auswahl. Wir wollen eine Beziehung zwischen den Menschen und dem Produkt herstellen – unsere USP ist, dass die Produkte fair hergestellt sind. Wir wollen nicht der größte Hersteller werden, wir wollen die anderen dazu bewegen, ihre Lieferkette zu verändern. Aber wir sind nur sieben Leute und versuchen, das gesamte System zu verändern – das muss man sich immer vor Augen halten.

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