„Farmville“-Erfinder
Zynga schafft nicht die Wende

Bei Zynga läuft es ohnehin nicht rund - jetzt verdirbt auch noch ein Fehlkauf die Zahlen des „Farmville“-Entwicklers. Das Unternehmen setzt auf Kostensenkungen und Glücksspiel.
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San FranciscoDer Online-Spieleanbieter Zynga kommt nicht aus den roten Zahlen heraus. Der „Farmville“-Erfinder kündigte für das gerade beendete dritte Quartal einen Verlust von 90 bis 105 Millionen Dollar an. Die Aktie fiel daraufhin nachbörslich um fast ein Fünftel auf nur noch 2,28 Dollar.

Der erwartete Quartalsumsatz von 300 bis 305 Millionen Dollar enttäuschte die Börsianer ebenso wie die ersten Erwartungen für das gesamte Jahr. Schon nach dem schwachen zweiten Quartal war die Aktie auf einen Schlag um rund 40 Prozent abgesackt. Beim Börsengang im Dezember war sie noch für 10 Dollar verkauft worden.

Auslöser für den hohen Verlust ist vor allem eine Abschreibung auf die im Frühjahr gekaufte Spielefirma OMGPOP in Höhe von 85 bis 95 Millionen Dollar. Zynga hatte sich den Entwickler des Spiels „Draw Something“, bei dem man Bilder erraten muss, im März auf dem Höhepunkt dessen Erfolgs geschnappt. Entsprechend hoch war der Preis mit 180 Millionen Dollar. Es wurde jedoch ein mieses Geschäft: Schon bis Ende des zweiten Quartals brach die Nutzerzahl von mehr als 14 auf 3,5 Millionen ein.

Außerdem lässt der Elan bei den Spielern der klassischen Online-Spiele von Zynga wie „Farmville“ oder „Cityville“ nach. Das wirkt sich aufs Geschäftsmodell aus: Zynga verkauft in den an sich kostenlosen Spielen virtuelle Güter wie Traktoren, Benzin, Häuser oder Möbel - das ist bisher die wichtigste Einnahmequelle des 2007 gegründeten Unternehmens. Chef Mark Pincus forciert deswegen den Einstieg ins Online-Glücksspiel etwa mit Poker-Angeboten.

Pincus gab in einem Blogeintrag zu, dass die neuen Zahlen enttäuschend seien. Zudem könnten mehrere neue Spiele später starten als geplant. Als Reaktion werde es „gezielte Kostensenkungen“ geben und die Entwicklung neuer Spiele solle an die „strategischen Prioritäten“ angepasst werden. Zugleich betonte er, dass Zynga mit 311 Millionen Spielern immer noch eine riesige Nutzergemeinde habe.

Die schlechten Zynga-Zahlen belasteten auch die Aktie des großen Partners Facebook, der Kurs gab nachbörslich um 1,68 Prozent nach. Zynga versucht zwar auch, eine von Facebook unabhängige Web-Plattform für seine Spiele aufzubauen, sie steht aber erst am Anfang. Noch kommen die meisten Spieler zu Zynga über das weltgrößte Online-Netzwerk, Facebook bekommt dafür einen Teil der Erlöse.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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