Fast jeder kann ein Magazin machen
Verleger aus Verlegenheit

Ein karges Büro in Hannover, eine schwere Zeit, eine Truppe junger Leute, darunter ein wortgewandter, sehr schlanker Wortführer mit zurückgekämmten Haaren. Ihr Ziel: ein Nachrichtenmagazin. „Wir wollten das schreiben, was wir, hätten wir dieses Blatt nicht, anderswo hätten lesen wollen“, erinnerte sich der Leitwolf. Rudolf Augstein hieß der, und aus den dürren Anfängen wurde die journalistische Institution „Der Spiegel“.

Ein hübsch renovierter Altbau in Berlin-Prenzlauer Berg, Erdgeschoss. Ein paar Schritte entfernt paradieren Hauptstädter mit ihrem Latte Macchiato über die Szenemeile Kastanienallee. Hohe Decken, weiße Wände, ein wenig Kunst, jene Mischung aus Abgerissenheit und Coolness, die in gedämpfter Marktschreierlautstärke verkündet, dass hier Intellektuelles entsteht. Zweieinhalb Zimmer für sieben Leute, darunter zwei Wortführer, beide sehr schlank: Amélie von Heydebreck und Florian Illies.

Ihr Ziel: „Monopol“, ein Magazin „für Kunst und Leben“. „Wir haben gesehen, dass wir Teil einer Bewegung sind, für die Kunst Teil des Lebens ist, für die es aber kein journalistisches Organ gibt“, sagen sie.

Wer Schlimmes erlebt hat, vergräbt sich, oder er will etwas Neues auf die Beine stellen. Gut, einen Krieg haben Deutschlands Journalisten nicht hinter sich – doch Wunden gibt es reichlich zu lecken: New-Economy-Euphorie und Wirtschaftskrise machten aus ihrem Beruf erst einen bestens bezahlten Traum und dann einen Albtraum.

Doch Krise war gestern, heute ist Gründerzeit. Wie damals, nach dem Krieg. Kaum ein Monat vergeht ohne ein neues Magazin, gestartet von einer Mini-Redaktion, bestenfalls noch angehängt an einen kleinen Verlag. „K-West“ zum Beispiel ist ein Feuilleton für Nordrhein-Westfalen, „Achtung“ und „Zoo“ sind Lifestyle-Magazine mit üppiger Optik, sogar das 22 Jahre lang verschwundene Satireblatt „Pardon“ wird neu belebt.

„Monopol“ ist die am meisten beachtete Neugründung, war einer ihrer Macher doch zuvor schon ein Star: „FAZ“-Redakteur Florian Illies wurde mit seinem Buch „Generation Golf“ zum beliebten Talkshow-Gast. Er wurde nicht vom Großverlag abgebaut, sondern ging selbst, um etwas Neues zu wagen.

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