Fernsehen: RTL wirbt für Fusion in Großbritannien

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RTL wirbt für Fusion in Großbritannien

Europas größter Fernsehkonzern RTL Group sieht Chancen für den Ausbau seines britischen Geschäfts. Die Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann wirbt für eine Fusion ihres Senders Five mit dem defizitären öffentlich-rechtlichen Kanal Channel 4.

LONDON/DÜSSELDORF. Europas größter Fernsehkonzern RTL Group sieht Chancen für den Ausbau seines britischen Geschäfts. Die Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann wirbt für eine Fusion ihres Senders Five mit dem defizitären öffentlich-rechtlichen Kanal Channel 4. RTL-Vorstandschef Gerhard Zeiler schrieb in einem Beitrag für die "Financial Times", eine solche öffentlich-private Partnerschaft würde einen viel stärkeren Sender schaffen. Beide Sender leiden unter der Konkurrenz digitaler Spartenkanäle.

Channel 4 hat 2007 einen operativen Verlust von knapp acht Mio. Pfund erwirtschaftet. Der Kanal finanziert sich ausschließlich aus Werbeeinnahmen, während die öffentlich-rechtliche BBC rein gebührenfinanziert ist. Die Channel-4-Gruppe einschließlich digitaler Ableger schaffte bei 945 Mio. Pfund (1,04 Mrd. Euro) Umsatz einen minimalen Gewinn von 1,6 Mio. Pfund.

Channel-4-Chef Luke Johnson fordert neue Finanzierungsquellen für den Sender. Er brachte eine teilweise Finanzierung aus Gebühren und eine Fusion mit BBC Worldwide, dem kommerziellen Arm der BBC, ins Gespräch. Beides lehnt die BBC jedoch entschieden ab. Johnson wehrt sich hingegen gegen eine Fusion mit Five. Die unterschiedlichen Kulturen der beiden Sender würden sie zu einer Tragödie werden lassen, warnte er. Die britische Regierung prüft derzeit die Struktur des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Im Dezember kam Channel 4 auf eine Einschaltquote von nur noch sieben Prozent - Ende 1998 waren es fast zehn. Five lag hingegen mit 4,7 Prozent fast genau auf dem gleichen Niveau wie vor einem Jahrzehnt.

Für RTL wäre eine Fusion ein Meilenstein. Seit Jahren arbeitet Zeiler, der selbst lange Zeit seinen Lebensmittelpunkt in London hatte, an einem Ausbau des britischen Geschäfts. Mit Five erzielte RTL im 2007 einen Umsatz von 499 Mio. Euro. Das ist ein Plus von über sieben Prozent im Jahresvergleich. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) lag aber nur bei zehn Mio. Euro.

Eine Fusion mit Channel 4 würde RTL auf dem strategisch wichtigen britischen Markt endlich zu einer relevanten Größe machen. Doch mehr als eine Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent strebt Zeiler nach Auskunft von Beteiligten nicht an. Er kennt die Bedürfnisse eines öffentlich-rechtlichen Sender wie Channel 4 gut. Schließlich war der gebürtige Wiener selbst vor Jahren Generalintendant des österreichischen Staatssenders ORF.

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