Fernsehen
ZDF ganz privat

ZDF Enterprises expandiert - zum Ärger der Produzenten. Die kommerzielle Tochter des Zweiten ist auf internationalem Parkett eine echte Größe. Hinter vorgehaltener Hand kritisiert mancher die Wettbewerbsverzerrung. Aber mit dem mächtigen ZDF will sich niemand anlegen.

CANNES. Die Kulisse ist wie ein Ausschnitt aus der kitschigen Fernweh-Serie „Das Traumschiff“. Die glühende Sonne fällt ins Mittelmeer während eine bunte Schar von Fernsehmanagern und Rechtehändlern angeregt beim Cocktail plaudert und den romantischen Blick von der Dachterrasse eines Luxushotels am Rande des alten Hafens von Cannes genießt. Gastgeber der Party zum Auftakt der Fernsehmesse Mip-TV ist ZDF Enterprises, die kommerzielle Tochter des öffentlich-rechtlichen Senders.

Zuhause in Deutschland ist das ZDF-Unternehmen nur Fachleuten bekannt. Auf internationalen Parkett dagegen ist die private Firma, die in einem tristen Mainzer Industriegebiet beheimatet ist, eine echte Größe. Mit Rückendeckung des ZDF-Intendanten Markus Schächter stürmt ihr ehrgeiziger Geschäftsführer, Alexander Coridaß, nach vorne. Der 52-Jährige rollt das Geschäft im Internet auf. Die Produktion und der Verkauf von Dokumentationen, Nachrichten, Serien und Filmen für die digitalen Medien sollen der Privatfirma einen Erlös- und Ertragsschub verleihen.

ZDF Enterprises ist mit rund 100 Mitarbeitern in der Branche eine Größe. Die Mainzer erzielten im vergangenen Jahr 54 Mill. Euro Umsatz und ein Ergebnis von 7,6 Mill. Euro. Dieses Jahr läuft offenbar gut an. „Wir erwarten in 2008 einen Umsatz von bis zu 60 Mill. Euro“, sagt Coridaß stolz. Auch mit dem Ergebnis soll es weiter aufwärts gehen.

Das ZDF will künftig mit seinen privaten Geschäften auf allen Kanälen präsent sein. Coridaß, der in der TV-Branche als fairer Vertragspartner einen guten Ruf hat, ist vorsichtig mit Äußerungen zur forschen Expansion. Er spricht im Marketing-Englisch vom „360 Grad All Media Rollout“. Denn die privaten Anstrengungen der Anstalt, die schließlich mit Milliarden von Rundfunkgebühren gut finanziert ist, sind umstritten. Hinter vorgehaltener Hand schimpft mancher Rechtehändler über die Wettbewerbsverzerrung. Öffentliche Kritik wagt hingegen keiner. Mit dem mächtigen ZDF will und kann es sich schließlich keiner verderben.

Neben dem klassischen Geschäft, Serien wie das „Traumschiff“ oder den aufwendigen Schiffkatastrophenfilm „Gustloff“ in alle Herren Länder zu verkaufen, haben die neuen Geschäfte im Internet und für mobile Endgeräte höchste Priorität. „Uns treibt die Digitalisierung um“, sagt Coridaß. Er folge dabei nur Kundenwünschen. „Unsere Kunden wollen ihre Marken ins Netz verlängern. Wir können sie mit unseren Inhalten unterstützen“, sagt Coridaß. Doch ob der Bedarf im Internet nach bewegten Bildern rasant schnell wächst, ist in der Branche umstritten. „Noch ist das kein großes Geschäft. Doch es wächst“, sagt Rechtehändler und Produzent Jan Mojto („Krieg und Frieden“).

Das ZDF hat klare Vorstellungen von der digitalen Zukunft. Der Sender will seine Bilder künftig nicht nur an Fernsehsender verkaufen, sondern auch an Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. „Wir bauen ein neues Geschäftsfeld nicht nur für eine deutsche Zeitung auf, sondern auch für ausländische Verlage“, erläutert Coridaß.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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