Fernsehen
ZDF speckt bei Sportberichten deutlich ab

Das Zweite will künftig mehr Geld in die Information leiten und bei der Sportberichterstattung sparen. Das gilt auch für Großveranstaltungen wie der Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr. Komplett gestrichen wird der Boxsport, damit will das ZDF rund zehn Millionen Euro im Jahr einsparen.

DÜSSELDORF. Das ZDF wird in Zukunft an der Sportberichterstattung sparen. "Wir überprüfen, ob wir künftig Weltmeisterschaften, Europameisterschaften oder Olympische Spiele mit dem bisherigen Aufwand realisieren werden", sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dem Handelsblatt. Bei den Olympischen Spielen in Peking war das ZDF mit 120 Mitarbeitern vor Ort und handelte sich wegen des großen Aufwands Kritik ein.

Wie groß die Einsparungen bei der Fußball-WM in Südafrika im nächsten Jahr sein werden, konnte Brender nicht beziffern. Dafür würden sich die dortigen produktionstechnischen Bedingungen noch zu stark ändern. Doch eines sei bereits klar: "Die Zuschauer werden die Einsparungen am Bildschirm merken."

Das Zweite will künftig mehr Geld in die Information fließen lassen und stellt daher die Sportberichterstattung auf den Prüfstand. Erstes Opfer ist das Boxen. Das ZDF wird ab Mitte 2010 diese Sportart nicht mehr übertragen. Der Vertrag mit dem Boxstall Universum von Klaus-Peter Kohl, bei dem die Sportler Felix Sturm und Ina Menzer angestellt sind, wird nicht mehr verlängert. Damit will der Sender mehr als zehn Mio. Euro einsparen. Das berichten Unternehmensinsider in Mainz. "In Zeiten finanzieller Knappheit müssen wir neue Schwerpunkte setzen", sagte Brender.

Ein weiteres Motiv sind auch die enttäuschenden Quoten: Das ZDF hatte bereits vor acht Jahren mit der Übertragung von Box-Wettkämpfen begonnen. In den Hochzeiten der Klitschko-Brüder lockten die Kämpfe massenhaft TV-Zuschauer vor die Geräte. Mittlerweile boxen die Klitschkos aber mit großem Erfolg für den Privatsender RTL.

Die großen Boxpromoter haben den Fernsehmarkt unter sich aufgeteilt. Während Klaus-Peter Kohl mit Universum bislang beim ZDF ist, steht Wilfried Sauerland bei der ARD unter Vertrag. Das Erste sieht allerdings bislang noch keinen Anlass für etwaige Veränderungen der Programmstrategie. "Wir sind mit dem Boxen sehr zufrieden und haben keinen Vertrag gekündigt", sagte ein Sprecher des Senders in München. Der Kontrakt mit dem Boxpromoter Sauerland läuft bis Ende 2011. Sauerland-Geschäftsführer Chris Meyer ist entspannt: "Die Quoten und die Marktanteile sind sehr hoch. Bei der Qualität unserer Boxer gehen wir davon aus, dass das auch so bleiben wird."

Boxen in der ARD ist selbst an schwachen Tagen noch immer ein Publikumsmagnet. Am vergangenen Samstag lag das Erste mit seiner Boxübertragung vom Kampf des Bielefelder Europameisters Marco Huck gegen den Ukrainer Vitaliy Rusal unter den zehn meistgesehenen Sendungen des Tages. Rund 3,17 Millionen verfolgten den Kampf. Das entspricht einer Zuschauerquote von 15 Prozent. Zum Vergleich: Der Privatsender RTL erreichte mit dem Finale der Talentshow "Deutschland sucht den Superstar" 6,18 Millionen Zuschauer. Das ist ein Marktanteil von 35 Prozent.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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