Fernsehgerätehersteller: Loewe will rund 190 Stellen abbauen

Fernsehgerätehersteller
Loewe will rund 190 Stellen abbauen

Loewe zieht die Reißleine. Der angeschlagene Fernsehgerätehersteller kalkuliert derzeit mit einem operativen Jahresverlust von 20 Millionen Euro. Neben den Entlassungen soll es weitere „deutliche Einsparungen“ geben.
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KronachLoewe-Finanzvorstand Rolf Rickmeyer zieht die Zügel bei dem defizitären Fernsehgeräte-Hersteller an: Nach nur zwei Wochen im Amt gab der Sanierungsexperte Details der geplanten Restrukturierung bekannt. Rund 190 von konzernweit etwa 1000 Stellen sollen abgebaut und mit Arbeitnehmervertretern weitere "deutliche Einsparungen im Personalbereich" verhandelt werden, wie Loewe am Donnerstag mitteilte. Zur Begründung verwies der TV-Hersteller auf die sinkenden Absatzzahlen. Dies und der verstärkte Einkauf von Bauteilen aus dem Billiglohnland China machten einen solchen Schritt unumgänglich, betonte das Unternehmen.

Am Stammsitz im fränkischen Kronach fand eine Betriebsversammlung statt. Wegen sinkender Absätze seien Anpassungen zwingend notwendig, um den Standort Kronach zu sichern, erklärte Rickmeyer.

Auch auf der Vertriebsseite hat Loewe einiges vor: Durch Partnerschaften mit dem Fachhandel sollen die Verkäufe im Ausland angekurbelt und Wachstumsmärkte wie Russland und Indien erschlossen werden. Auch mit neuen, exklusiven TV-Geräten will Loewe die Kunden wieder begeistern. Mit dieser Strategie will der Konzern im nächsten Jahr operativ wieder aus den roten Zahlen kommen.

Nach einem Umsatzrückgang und einem Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 20 Millionen Euro in diesem Jahr erwarte der Vorstand für 2013 ein ausgeglichenes Ergebnis und ein leichtes Umsatzplus. Kosten für die Restrukturierung würden unter dem Strich den Gewinn im nächsten Jahr aber noch belasten. „Für 2014 wird ein weiteres Umsatzwachstum und ein positives operatives Ergebnis angestrebt", hieß es in der Mitteilung.

An der Börse legten die im Prime Standard gelisteten Loewe-Aktien 2,5 Prozent auf 2,87 Euro zu. DZ-Bank-Analyst Thomas Maul gab sich aber skeptisch: „Wir haben Zweifel, dass die Restrukturierungsmaßnahmen von Loewe zu einem ausgeglichenen Ergebnis im nächsten Jahr führen werden. (...) Wir bleiben Verkäufer der Aktie", schrieb er in einem Kurzkommentar.

Loewe leidet seit längerem unter einem Umsatzschwund und dem Preisverfall für Flachbildfernseher, der vor allem von den koreanischen Konkurrenten Samsung und LG vorangetrieben wird. Der Kronacher Konzern rang bereits Mitte vorigen Jahrzehnts mit Verlusten und handelte seinerzeit mit der IG Metall einen Ergänzungstarifvertrag aus – Mitarbeiter mussten einige Jahre auf Teile des Gehalts verzichten. Als Loewe die Trendwende schaffte, zahlte der frühere Vorstandschef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Hecker den Mitarbeitern die Einbußen verzinst zurück.

 

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