Fernsehhersteller Loewe
Comeback auf Fränkisch

Gut zwei Jahre ist es her, dass der Fernsehhersteller Loewe knapp an einer Pleite vorbeischrammte. Seitdem legt das Traditionsunternehmen ein eindrucksvolles Comeback hin und demonstriert: Fernsehgeräte lassen sich auch am Hochlohnstandort Deutschland mit Gewinn produzieren.

KRONACH. Ein ungemütlich trüber Tag Anfang Dezember: Draußen, auf dem Promenadenplatz in der Münchener Innenstadt, haben die Menschen die Kragen ihrer Mäntel hochgeschlagen, um sich vor der Kälte zu schützen. Drinnen, in einem der Konferenzzimmer des Nobelhotels „Bayerischer Hof“, ist es mollig warm. Rainer Hecker, Chef des Fernsehherstellers Loewe, sitzt aber so steif da, als hätte er gerade einige Stunden im eisigen Wind verbracht.

Dem stämmigen Mann mit dem grauen, etwas schütteren Haar sind die nervenaufreibenden Verhandlungen der vergangenen Tage anzusehen, bei denen es um die Zukunft des Unternehmens geht. An diesem Morgen tritt er vor die Presse: Sharp werde seinen Anteil an dem traditionsreichen TV-Gerätehersteller Loewe von neun auf knapp 30 Prozent erhöhen, sagt er. „Damit fließen Loewe Mittel in Höhe von mindestens 15 Millionen Euro zu.“

Gut zwei Jahre ist das her, dass Hecker diese Nachricht verkündete. Die Finanzspritze ist ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für das angeschlagene Unternehmen und die Grundlage für ein eindrucksvolles Comeback, das die Traditionsmarke seitdem hingelegt hat.

Heute schreibt Loewe wieder schwarze Zahlen, hat im Gegensatz zur Konkurrenz seine eigene Fertigung in Deutschland behalten und gehört zu den begehrtesten Marken der Branche. Kein Wunder, dass Loewe-Chef Hecker am gestrigen Dienstag in München auf der Bilanzpressekonferenz wieder Zuversicht ausstrahlte. „Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem Umsatzwachstum von rund zehn Prozent und einer Verbesserung des Gewinns vor Zinsen und Steuern von mindestens 20 Prozent.“ Schon vergangenes Jahr ist der Umsatz um sieben Prozent auf 341 Millionen Euro gestiegen, unterm Strich erwirtschaftete das Unternehmen zum ersten Mal seit 2002 einen Gewinn: 6,5 Millionen Euro.

Die Wurzeln für dieses deutsche Fernsehmärchen liegen tief in der fränkischen Provinz, in der mittelalterlichen Kreisstadt Kronach. Nur einen Steinwurf von der Grenze zu Thüringen entfernt laufen Fernseher vom Band, für die Kunden heute gut und gerne 5 000 Euro zahlen. Dafür würden sie von anderen Herstellern zwei Geräte bekommen. „Die Leute zahlen für das gute Design und das Gefühl, ein ganz besonderes Produkt zu bekommen“, sagt ein hochrangiger Manager einer der großen deutschen Elektronikketten.

Die Parkplätze vor den weißen Fabrikgebäuden aus den 50er-Jahren in einem gesichtslosen Industriegebiet von Kronach sind alle besetzt. Nichts deutet darauf hin, dass hier vor einigen Jahren fast die Lichter ausgegangen wären. „Es war schon beunruhigend“, erinnert sich Loewe-Technikvorstand Gerhard Schaas, „innerhalb weniger Monate brach uns der Umsatz weg.“

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