Fernsehmesse Mip-TV
Gefahr aus dem Netz

Auf Europas größter Fernsehmesse, der Mip-TV, diskutieren die TV-Produzenten derzeit, welche Folgen die neue Konkurrenz aus dem Internet hat. Eine ist schon jetzt absehbar: Nicht alle Fernsehfirmen werden den schärferen Wettbewerb überstehen.

CANNES. Das in die Jahre gekommene, trutzige Festivalgebäude in Cannes ist wie eine Metapher für die weltweite Fernsehbranche: Der Glamour verbleicht langsam, aber stetig. Unter dem berühmten roten Teppich haben die Stufen bereits Risse. Auf Europas größter Fernsehmesse, der Mip-TV, treffen sich hier seit gestern Produzenten, Filmhändler und Senderchefs aus aller Welt. Die Bedrohung aus dem Internet setzt die selbstverliebte Fernsehbranche unter Druck. Videoportale wie die Google-Tochter Youtube verunsichern sowohl die Produzenten als auch die Sender.

Das Fernsehen ist in die Jahre gekommen. Cannes diskutiert heftig, welche Opfer das Internet fordern wird. „Google ist weniger eine Gefahr für die Produzenten als für die Fernsehsender“, unkt Wolf Bauer, Chef des größten deutschen Fernsehproduzenten Ufa und einer der Visionäre der Branche. Bisher hatten die TV-Kanäle als Vertriebsplattformen für audiovisuelle Inhalte eine Art Monopol. Die Senderchefs entschieden, welche Inhalte zu welcher Zeit auf den Bildschirmen zu sehen ist. Doch diese bequeme Alleinstellung ist durch Videoportale wie Youtube und Spielfilmportale wie bei T-Online in Gefahr. Vor allem junge Zielgruppen wandern ins Internet ab. Die @-Generation will selbst Produzent und Programmdirektor sein.

Das verändert die Arbeit der Produzenten. Zum ersten Mal in der Geschichte des traditionsreichen Konzerns produziert Ufa auch Filme, die nur im Internet gezeigt werden. Die Kinolegende stellt für den ebenfalls zu Bertelsmann gehörenden Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) fünfminütige Kochclips her. 80 solcher Filmchen sind für das Internetportal der Feinschmeckerzeitschrift „Essen & Trinken“ bereits im Kasten, 500 sollen es werden.Trotz der ersten Experimente der Fernsehbranche im Internet wachsen derzeit die Sorgen in den Führungsetagen. Sender und Produzenten sehen die Urheberrechte, das Öl der Fernsehindustrie, in Gefahr. „Internet ist kein rechtsfreier Raum“, sagt Johannes Kreile, Medienanwalt und Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten. Dass ausgerechnet der mächtige Medienkonzern Viacom das Videoportal Youtube mit einer Milliardenklage überzieht, ist daher kein Zufall. Der Kampf um die Urheberrechte wird über Aufstieg oder Fall der Fernsehbranche im Internetzeitalter entscheiden.

Dabei verschärft sich der Interessenkonflikt zwischen Sendern und Produzenten. „Wenn die Sender ein Programm in Auftrag geben, wollen sie auch sämtliche Nebenrechte“, sagt Claude Schmit, Chef des Kindersenders Super RTL. Den Fernsehkanälen geht es zunehmend darum, an einer Serie, Show oder an einem Spielfilm nicht nur die TV-Ausstrahlungsrechte zu erwerben, sondern auch digitale Nebenrechte für den Filmabruf im Internet, die Auswertung über DVDs oder die Weiterverbreitung auf Handys.

Seite 1:

Gefahr aus dem Netz

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%