Fernsehsender
Pro Sieben verlegt Sat 1 nach Unterföhring

Der scheidende Vorstandschef des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1, Guillaume de Posch, setzt sich durch: Sat 1 wird aus Kostengründen von Berlin in den Münchener Medienvorort Unterföhring verlegt. Der Vorstand hat einen entsprechenden Beschluss gefasst. So will der TV-Sender 225 Arbeitsplätze einsparen.

DÜSSELDORF. Damit werden die Sender Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und bis Juni nächsten Jahres nun unter einem Dach zusammengefasst. Vom Umzug sind 350 Mitarbeitern betroffen. Der Nachrichten- und Dokumentationskanal N 24 bleibt hingegen in Berlin. Insgesamt will der Konzern 225 Arbeitsplätze in den nächsten Monaten einsparen. Derzeit beschäftigt die Sendergruppe 3 000 Mitarbeiter in Deutschland.

Die Mitarbeiter von Sat 1 in der Hauptstadt hatten gegen die Verlegung protestiert. Noch am vergangenen Freitag sind sie auf die Straße gegangen. Konzernchef de Posch wird den Umzug nicht mehr komplett abschließen können. Der Belgier verlässt auf eigenem Wunsch zum Jahresende die schwer angeschlagene Sendergruppe. Die Gesellschafter KKR und Permira suchen bereits seit Sommer einen Nachfolger. Doch die Suche ist schwierig. Eine interne Lösung mit dem Vorstand Andreas Bartl wird von Brancheninsidern als eine mögliche Lösung angesehen.

Die kriselnde Sendergruppe muss dringend die Kosten senken. Pro Sieben Sat 1 leidet unter einem riesigen Schuldenberg. Ende September lag er bei 3,8 Mrd. Euro. Jährlich müssen zwischen 250 bis 260 Mio. Euro Zinsen gezahlt werden. Erst vor wenigen Tagen hatte Pro Sieben Sat 1 angesichts der schwierigen Werbekonjunktur seine Gewinnprognose ersatzlos gestrichen. Der Konzern hatte in diesem Jahr bereits seinen Ausblick zweimal nach unten korrigiert. Die Perspektiven sind düster. De Posch warnte: „2009 wird ein herausforderndes, sehr schwieriges Jahr werden.“ Auch Vorstandsmitglied Patrick TilleuxTilleux ist pessimistisch: „Wir werden eine weitere Abschwächung der europäischen Werbemärkte sehen.“

Die Börse ließ vom beschlossenen Sat-1-Umzug nicht beeindrucken. Die Aktie des Fernsehkonzerns stagnierte bei 1,69 Euro. Das 52-Wochen-Hoch lag noch bei 19,10 Euro. Analyst Friedrich Schellmoser von Unicredit hatte das Papier bereits vor Tagen zum Verkauf empfohlen.

Für zusätzliche Unruhe im Konzern sorgte auch der gestern beschlossene Personalumbau. Ab 1. Januar wird Guido Bolten, Chef des Senders Kabel 1, Geschäftsführer von Sat 1. Der bisherige Sat-1-Chef, Mathias Alberti, wird neben Vorstand Andreas Bartl Geschäftsführer der deutschen Sender-Holding. Jürgen Hörner, Vize-Chef von Pro Sieben, übernimmt die Geschäfte von Kabel 1. Hörner wie Bolten gelten als Vertraute von Bartl.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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