Fernsehsender schreibt weiter rote Zahlen
Premiere wagt keine Prognose

Der tief in den roten Zahlen steckende Bezahl-Fernsehsender Premiere traut sich für 2008 weiter keine Geschäftsprognose zu. Die Vergabe der Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga ab der Saison 2009/10 sei weiter unsicher.

HB MÜNCHEN. Das sagte Premiere -Chef Michael Börnicke am Donnerstag. Kunden könnten sich wegen des unklaren Ausgangs der noch ausstehenden Rechte-Auktion verabschieden, bei der diesmal Medienmogul Leo Kirch als Zwischenhändler ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Mögliche neue Abonnenten zögerten mit einem Vertragsabschluss, sagte der Senderchef. Zudem könnten "Schwarzseher" das Geschäft weiter belasten. Premiere müsse daher in diesem Jahr die Kosten um 30 bis 50 Mill. Euro senken. Stellenstreichungen seien nicht geplant. "Wir werden aber auch keine neuen schaffen."

Im vergangenen Jahr ist es Premiere zwar gelungen, den Nettoverlust deutlich zu verringern. Mit einem Minus von 51,6 Mill. Euro blieb der Konzern aber weiter tief in den roten Zahlen. Trotz des Unsicherheitsfaktors Bundesliga ist Börnicke zuversichtlich, dieses Jahr mit einem Gewinn abzuschließen. Konkrete Zahlen nannte er nicht. "Eine Prognose zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht seriös."

Nachdem die DFL im Herbst Kirch zur Vermarktung der Rechte ab der übernächsten Saison eingeschaltet hatte, kassierte Premiere bereits im November seine Prognose für 2008. Gleichwohl rechne sich Premiere in dem Verfahren "sehr gute Chancen" aus, bekräftigte der Vorstand am Donnerstag.

Im Falle des Zuschlags strebe Premiere vor allem an, die Exklusivität der Übertragungen an Samstagen auszuweiten. Dagegen haben DFL und Kirch Pläne, die Berichterstattung künftig in die eigenen Hände zu nehmen und mit den Rechten als Paket zu verkaufen. Dies hält der Bezahlsender, der seine Übertragungen selbst produziert, für nicht zulässig, und hat sich an das Bundeskartellamt gewandt. "Wir sind guter Dinge, dass dieses Element nicht von Dauer sein wird", sagte Börnicke. Die DFL ist in dem Punkt jedoch unnachgiebig und besteht auf einer Abnahme des dann selbst produzierten Programms im Pay-TV.

Neben den Unsicherheiten beim Zugpferd Bundesliga machen Premiere derzeit auch "Schwarzseher" gehörig zu schaffen. Wie Premiere vor gut einer Woche einräumte, haben Computer-Hacker die Verschlüsselung des Programms geknackt und haben Premiere damit schon das Weihnachtsgeschäft verdorben. Bei der Einführung eines neuen Verschlüsselungssystems erwägt Premiere auch eine Abkehr vom bisherigen Partner Kudelski. Als Ersatz könnte der größte Konkurrent der Schweizer ins Geschäft kommen: NDS gehört zum Imperium von Rupert Murdoch, der erst kürzlich Anteilseigner von Premiere wurde. NDS habe sicherlich ein strategisches Interesse, auf den deutschen Markt zu kommen, sagte Börnicke. Beide Anbieter wären eine gute Entscheidung. Diese solle in vier Wochen fallen.

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