Festnahme Schmitz
Silicon Valley hakt Megaupload ab

Vier Tage nach der Schließung der Filehostingseite Megaupload ist das Silicon Valley wieder zum Alltag übergegangen. Andere Unternehmen mit ähnlichem Geschäftsmodell streben unverdrossen ihren Börsengang an.
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San Francisco„Wer nachvollziehbare Anstrengungen unternimmt urheberrechtlich geschützte Dateien zu löschen, ist als Unternehmen sicher“, zeigt sich Venture Capital Investor Gregor Freund aus San Francisco überzeugt. „Das war ein Einzelfall“. Negative Auswirkungen auf andere Start Up Unternehmen der Szene wie etwa das beliebte Dropbox schließt der frühere Gründer der Virenschutz-Firma Zonelabs aus. Laut Anklageschrift des US-Justizministeriums wird den verhafteten Gründern und Managern von Megaupload unter anderem aktive Zusammenarbeit mit Raubkopieren vorgeworfen. Dropbox selbst, ein Dienst, mit dem Dateien im Internet gespeichert und auf beliebigen Computern und vielen Smartphone- oder Tablet-Modellen wieder geladen werden können, war auf Anfrage für einen Kommentar jedoch nicht erreichbar. Das Unternehmen aus San Francisco strebt einen milliardenschweren Börsengang an.

Für Rapidshare aber, einen anderen Web-Speicherdienst, der in den Augen der Musik- und Filmindustrie intensiv für die Verbreitung von illegalen Downloads genutzt wird, nimmt Daniel Raimer gegenüber dem Handelsblatt Stellung: „Wir fühlen uns nicht betroffen“, sagt der Düsseldorfer Rechtsanwalt. Raimer war für Rapidshare gerade erst in Washington unterwegs. Lobbyarbeit in Sachen der umstrittenen US-Gesetzesentwürfe Sopa (Stop Online Piracy Act) und Pipa (Protect Intellectual Property Act) stand auf dem Programm. Beide Entwürfe wurden nach einer Protestwelle von Millionen Internetnutzern – darunter sicherlich viele US-Wähler – von den überraschten Politikern vorerst einmal gestoppt. In den USA hat der Vorwahlkampf für die Präsidentschaftswahl begonnen und niemand will sich jetzt noch unbeliebt machen.

„Das Geschäftsmodell des Filehosting (Datenlagerung im Internet) ist an sich erst einmal wertneutral“, so Raimer. Er verweist auf Angebote wie Skydrive von Microsoft oder iCloud von Apple. „Angst vor dem FBI muss man nur bei individuellem Fehlverhalten haben, und wir haben uns nichts vorzuwerfen.“ Das sehen die Verantwortlichen der Filmindustrie wieder anders. Eine von der US-Handelskammer finanzierte Studie kam zu dem Ergebnis, dass von 53 Milliarden Visits jährlich auf Seiten mit illegalen Medien-Inhalten alleine 21 Milliarden auf drei Seiten geführt haben: Megaupload, Megavideo – und Rapidshare.

Gelassen reagiert auch Christian Springub, Mitgründer des deutschen Webseiten-Baukastens Jimdo. „Die Urheberrechtsproblematik ist für uns seit Jahren ein Dauerbrenner. Wenn wir etwas mitbekommen, reagieren wir sofort.“ Mit Jimdo lassen sich kostenlos Webseiten bauen und betreiben. So mancher Kunde kann da schon einmal – absichtlich oder unabsichtlich – urheberrechtlich geschütztes Material online stellen. Springub hat 2010 das Silicon Valley-Büro des stark expandierenden Hamburger Unternehmens eröffnet.

Springub wie Freund und Raimer sind sich in einem jedoch einig: Eine viel größere Bedrohung für Innovationen und neue Arbeitsplätze im Silicon Valley wären die Kopierschutzgesetze Sopa und Pipa gewesen. Sie wären für Hollywood eine Art Überholspur geworden, um unter Umgehung des Rechtswegs Webseiten wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen zu eliminieren.  Das Risiko für Unternehmen und Kapitalgeber wäre erheblich gewachsen.

„Gut, dass die Gesetze vom Tisch sind“, sagt Investor Freund. Er sieht an dem Megaupload-Fall sogar gute Seiten: „Er zeigt doch, dass die bestehende Gesetzgebung ausreichend ist, wenn Beweise da sind.“ Rapidshare-Sprecher Raimer ergänzt: „Und wenn die Vorlagen wieder eingebracht werden, müssen wir halt wieder kämpfen.“

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Wie in der Geschichte steht: Jimdo ermöglicht den kostenlosen Aufbau von Webseiten. Da kann es immer mal wieder vorkommen, dass urheberrechtlich geschütztes Material online kommt oder Links auf Dowlnoad-Seiten gesetzt werden. Als Plattform-Betreiber muss Jimdo reagieren, wenn er davon Kenntnis bekommt. Danaben hat Jimdo Dropbox integriert. Somit ist hier über diese Webseiten auch Filesharing (theoretisch) machbar. Und unter Sopa/Pipa wäre die Gefahr der Haftung und des Takedowns noch einmal deutlich größer geworden. Man überlege: Wäre die DNS-Umleitung gekommen, hätte die Contentindustrie auf die Idee kommen können Jimdo komplett auszublenden, wenn man der Meinung wäre, dass überwiegend Seiten mit illegalem Inhalt auf der Plattform sind.

  • Was zum Teufel hat Jimdo mit diesem Thema zu tun?!

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