Festnetz- und Mobilfunkgeschäft
Telekom will Dienste aus einer Hand anbieten

Die Deutsche Telekom will ihr Festnetz- und Mobilfunkgeschäft zusammenlegen. Damit will der Telekommunikationskonzern Kosten sparen und Marktanteile gewinnen - Wettbewerber sind auch schon in diese Richtung gegangen. Während Anteilseigner dies begrüßten, übten sie heftige Kritik an den Finanz-Informationen des Unternehmens.

HB KÖLN. "Wir müssen und werden im Sinne der Kunden als eine Firma, als eine Telekom auftreten", sagte Konzernchef Rene Obermann am Donnerstag auf der Aktionärsversammlung in Köln. Mit einer einheitlichen Kundenbetreuung will der Konzern nicht nur Marktanteile gewinnen, sondern auch Geld sparen, indem etwa nur noch ein Computersystem eingesetzt werden muss.

Die Telekom hatte bereits Ende 2006 nach Obermanns Antritt Verkauf und Kundendienst der Mobilfunktochter T-Mobile und der Festnetzsparte T-Home in Deutschland zusammengelegt. Mit Kostensenkungen und kombinierten Angeboten konnte der Konzern sein Deutschland-Geschäft stabilisieren. Auch Wettbewerber legten ihre Sparten zusammen, um auf das Zusammenwachsen von Festnetz und Mobilfunk zu reagieren. Noch dieses Jahr sollen die Telekom-Aktionäre über die Verschmelzung entscheiden, von der rund 20 000 Mitarbeiter betroffen sind. Personalabbau soll es nicht geben, jedoch sind Änderungen im Management geplant, auch wird nur noch ein Aufsichtsrat nötig sein.

Aktionärsvertreter begrüßten den Schritt, einige bezeichneten ihn sogar als längst überfällig. Kritik hagelte es jedoch wegen der Gewinnwarnung in der vergangenen Woche, nur zwei Monate nach dem Jahresausblick. Klaus Kaldemorgen, Geschäftsführer von Deutschlands größter Investmentfondsgesellschaft DWS, sagte, der entstandene Imageschaden werde die Aktie sicherlich einige Zeit belasten. "Die Gewinnwarnung ist wie ein Pfeil ins Herz gegangen", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Das Auslandsgeschäft, in dem die Telekom wachsen wolle, zeige nun Schwächen.

Insbesondere der Wachstumsmarkt USA sowie das Geschäft in Großbritannien und in Polen zeigten im ersten Quartal Schwierigkeiten. Zusätzlich belasteten Wechselkurseffekte, weshalb der Konzern nun nicht mehr von einem stabilen bereinigten Ebitda, sondern von einem Rückgang um zwei bis vier Prozent ausgeht. Die T-Aktie fiel in der Folge zwischenzeitlich auf ein Jahrestief von 8,51 Euro. Telekom-Chef Rene Obermann räumte ein, dass der Kurs nach wie vor unbefriedigend sei, dennoch habe er sich 2008 besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Die Telekom stehe vergleichsweise stabil da. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Ausschüttung von 78 Cent je Papier bekommen.

Wegen der Spitzelaffäre sollte der Beschluss über die Entlastung des früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel verschoben werden. Gegen Zumwinkel wie auch gegen den Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft. Unternehmenskreisen zufolge verlangen die Telekom beziehungsweise deren Aufsichtsrat von Zumwinkel und Ricke jeweils Schadensersatz von knapp einer Million Euro. Bei der Telekom waren Telefondaten ausgeforscht worden, um der Veröffentlichung von Interna auf die Spur zu kommen.

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