Festnetzsparte verliert Marktanteile
Telekom-Chef Ricke stapelt lieber tief

Die Deutsche Telekom traut ihren neuesten Erfolgen selbst nicht so ganz über den Weg: Gestern überraschte der Konzern Analysten mit einem deutlich höheren operativen Ergebnis und meldete seinen zweiten Quartalsgewinn in Folge. Dennoch versuchte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, die Erwartungen niedrig zu halten. „Wir bleiben bei unserer konservativen Linie“, sagte der Vorstandsvorsitzende und begründete dies mit dem instabilen konjunkturellen Umfeld und der hohen Abhängigkeit des Konzerns von Währungsschwankungen.

slo/tnt BONN. Damit bekräftigte Ricke seine bisherige Prognose: Ein Ebitda von 17,2 bis 17,7 Mrd. Euro will er in diesem Jahr einfahren. Analysten wie Chris Wood von JP Morgan trauen dem Unternehmen auch 18 Mrd. Euro zu. „Die Telekom versucht offenbar, etwas tief zu stapeln“, sagte Stefan Borscheid, Analyst von der Hypo-Vereinsbank.

Angesichts der positiven Ergebnisse hatten Analysten erwartet, dass die Telekom bereits für dieses Jahr – und nicht erst für 2004 – eine Dividende in Aussicht stellen würde. „Das könnte der Konzern mit Leichtigkeit. Es ist enttäuschend, dass es nicht passiert“, sagte Frank Rothauge von Sal. Oppenheim.

Die guten operativen Zahlen im zweiten Quartal hatten dem Konzern das Wachstum der Mobilfunksparte sowie niedrigere Kosten im klassischen Festnetzgeschäft T-Com beschert. Die Mobilfunktochter T-Mobile verbuchte im ersten Halbjahr ein um Sondereffekte bereinigtes Ebitda von 3,3 Mrd. Euro und damit 27 % mehr als im ersten Halbjahr des Vorjahres. In Deutschland baute T-Mobile seine Marktführerschaft aus. Das Unternehmen hatte Ende Juni 25,3 Millionen Nutzer – ein Plus von mehr als 360 000 Kunden im zweiten Quartal.

Die Festnetzsparte hat dagegen vor allem im Inland mit zunehmender Konkurrenz im Ortsnetz zu kämpfen. Seit Ende April können Kunden über eine Vorwahl den günstigsten Anbieter wählen (Call-by-Call). Die Folge: Die Telekom verlor kräftig Marktanteile, doch der Umsatz der Sparte blieb stabil.

Die gute Nachricht bei T-Com: Gegenüber dem ersten Halbjahr 2002 senkte die Festnetzsparte ihre Kosten um mehr als 300 Mill. Euro. Die bereinigte Ebitda-Marge verbesserte sich damit auf knapp 36 %. „Darin kommt der strikte Sparkurs zum Ausdruck, der unseren Mitarbeitern einiges abverlangt“, sagte Ricke.

Die Telekom will bis 2005 etwa 30 000 Stellen in der Festnetzsparte streichen. Eine konzerneigene Personal-Service-Agentur (PSA) soll die überzähligen Mitarbeiter fortbilden und ihnen einen neuen Job vermitteln. Das Ergebnis bisher: Von mehr als 7 000 Mitarbeitern in der PSA hat die Telekom 2 200 Menschen einen neuen Job vermittelt – in erster Linie innerhalb des Konzerns. Der Großteil der Beschäftigten ersetzt externe Zeitarbeitnehmer, die die Telekom zuvor beschäftigte.

Die PSA gilt als wichtiges Instrument für den Stellenabbau, ist aber nicht umstritten. „Die PSA entwickelt sich zu einer Farce“, kritisiert die Kommunikationsgewerkschaft DPV, „da die meisten Telekom-Mitarbeiter in der PSA bei vollem Gehalt unbeschäftigt zu Hause herumsitzen.“ Im Gegensatz zu der Gewerkschaft Verdi hat die DPV dem entsprechenden Tarifvertrag, der die PSA regelt, nicht zugestimmt. Ricke räumte gestern ein: Die PSA sei eine sehr schwierige und herausfordernde Aufgabe.

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